Seit dem 10. November 2009 ist nichts mehr so, wie es war. Mit Robert Enke hat nicht nur Hannover, sondern ganz Deutschland einen Ausnahmesportler und vor allem einen ganz besonderen Menschen verloren. Da seit seinem Tod kein Tag vergangen war, an dem ich nicht an ihn gedacht und um ihn getrauert hatte, war ich sehr froh, am 21.11. nach Kassel fahren zu können. Endlich einmal richtige Ablenkung, ein für mich neues Musical, das bisher nur tolle Kritiken bekommen hat. Und vor allem: André wieder sehen!
Überpünktlich kamen wir am Theater an, erkundeten noch kurz die Gegend und tranken dann etwas im Foyer, bevor sich (ganze zehn Minuten vor Beginn...) die Saaltüren öffneten. Wir nahmen unsere Plätze in Reihe 1 ein und warteten gespannt auf den Beginn. Bekannt waren mir von den Darstellern außer André nur Kristin Hölck und Matthias Stockinger und vom Namen her auch Sven Olaf Denkinger.
Im Stück geht es darum, dass der Französische Auswanderer Emile de Beque auf einer Insel im Pazifik die um einiges jüngere Krankenschwester Nellie Forbush kennenlernt und sie heiraten möchte. Allerdings ist sie zwar in ihn verliebt, aber dennoch von Zweifeln geplagt. Sie weiß kaum etwas über ihn, ist verunsichert durch die Briefe ihrer Mutter und den Rat ihrer Freundinnen.
Gleichzeitig kommt der junge Lt. Joseph Cable auf der Insel an, er soll gemeinsam mit einem Einheimischen die militärischen Bewegungen der Japaner auf den anderen Inseln ausspionieren, damit die Amerikaner einen Schlag gegen sie ausführen können. Die Wahl fällt auf Emile, der allerdings absagt, weil die Mission sehr gefährlich ist und er nicht riskieren möchte, sein Glück mit Nellie zu zerstören, die schließlich eingewilligt hat, ihn zu heiraten. Lt. Joe hat nun also erst einmal Zeit und fährt auf die Nachbarinsel Bali Ha'i. Dort sind die Frauen untergebracht und es ist den normalen Soldaten verboten, dorthin zu fahren. Joe verliebt sich in eine von ihnen, will aber nicht heiraten und muss sie so schweren Herzens verlassen.
Auf einer großen Feier stellt Emile Nellie seine Freunde vor, sie sind beide überglücklich. Als alle gegangen sind, erfährt sie allerdings, dass Emile schon zweifacher Vater ist und seine erste Frau, mit der er die polynesischen Kinder hat, eine Einheimische war. Es also somit Mischlingskinder sind. Damit kann sie nicht leben, weil es gegen ihre Moralvorstellungen verstößt und sie einige ethische Vorbehalte hat. Sie geht ihm von da an aus dem Weg und sagt schließlich die Hochzeit ab.
Daraufhin willigt Emile ein, Joe auf seiner Mission doch zu begleiten, da er ja nun nichts mehr zu verlieren hat...
SPOILER!!!
Die beiden schleichen sich ein und Joe wird getötet. Nellie überdenkt ihrerseits ihre Einstellungen und merkt, dass sie Emile liebt, egal, mit wem er vor ihr zusammengelebt hat und was für Kinder aus dieser Verbindung stammen. Sie läuft zum Stützpunkt und erfährt erst dort, dass Emile sich hinter feindlichen Grenzen befindet. Sie kehrt zu seinem Haus zurück, spielt mit seinen Kindern und hofft, dass sie den Mann, den sie wirklich liebt, jemals wiedersehen wird.
Am Ende erscheint er auf der Terrasse, das klassische Happy End. Sie sind nun eine vierköpfige Familie.
Kristin Hölck spielt definitiv die absolute Hauptrolle im Stück, sie singt und spielt mehr, als alle anderen. Da ich sie vorher nur von verschiedenen Aufnahmen kannte und sie mir nie groß aufgefallen war, war ich gestern umso überraschter, wie gut sie mir gefallen hat! Sie hat eine sehr schöne Stimme, spielt absolut natürlich und passt für mich sehr gut in ihre Rolle.
Lona Culmer-Schellbach war eine sehr lustige Bloody Mary und auch Philippe Ducloux als Luther Billis hat mir gut gefallen. Matthias Stockinger kannte ich ja schon von Rebecca und mochte seine Stimme da, in South Pacific hat er natürlich wesentlich mehr zu singen. Sehr gute Leistung auch von ihm!
André war der Grund, nach Kassel zu fahren und André hat mir auch am besten gefallen. Auch wenn Emile mal wieder nicht die Rolle mit vielen tollen Facetten ist und er schauspielerisch so kaum glänzen kann, ist es doch ein ums andere Mal seine Stimme, die mir eine Gänsehaut nach der anderen beschert und mir die Tränen in die Augen treibt. Ich finde, dass stimmlich niemand an ihn herankommt, er hat für mich wirklich die schönste, die ich je gehört habe.
Beim Schlussapplaus standen dann ganze drei Leute im Theater, ich hab nur drauf gewartet, dass die Leute hinter uns lospöbeln... Kam aber, außer etwas Getuschel, nix.
Hinterher an der SD waren wir fast allein und nachdem die Darsteller noch etwas zusammen trinken gewesen waren, kamen sie alle zusammen raus. Da sie noch irgendwohin wollten, sah ich die Chance auf ein Gespräch mit André eher gering, allerdings kam er, als er uns sah, sofort zu uns gelaufen und meinte zu den anderen, sie sollten warten.
So unterhielten wir uns dann doch noch etwas, er war wie immer einfach nur unglaublich lieb und nett. Dann wurde er noch mit was Süßem versorgt und nach einem gemeinsamen Foto und einem für mein Buch, wollte ich ihn aber natürlich nicht länger aufhalten und so verabschiedeten wir uns. Ich werde aber sicher noch mindestens einmal nach Kassel fahren!