Am 21.2.09 machten wir uns am Nachmittag auf nach Enschede um uns Pia als Norma Desmond in Sunset Boulevard anzusehen. Zum Glück war es etwas wärmer gworden, um Glatteis brauchten wir uns also keine Sorgen zu machen. Nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt und nicht eben bester Laune (Bundesliga-Übertragung, jetzt verliert 96 sogar schon gegen Gladbach...) kamen wir schließlich um kurz vor 7 beim Theater an. Die Zeit bis zum Vorstellungsbeginn verbrachten wir in einem kleinen Lokal bei einer Cola und irgendwann gingen wir dann hinüber ins Muziekkwartier.
Unsere Plätze waren in Reihe 7, was aber dann irgendwie die fünfte Reihe war. Die Holländer zählen anscheinend komisch... Wie auch immer, umso besser!
Das Bühnenbild fand ich sehr gelungen, es bestand zum Großteil aus einer sich drehenden Kulisse, die mal Fassade, mal Innenleben von Normas Villa darstelle. Und zwischendurch wurden entsprechende Requisiten herein und heraus geschoben. Da wurde wirklich aus wenig Möglichkeiten sehr viel gemacht, Hut ab!
Die Darsteller fand ich durch die Bank sehr gut, Maike Boerdam als Betty Schaefer hat mir gefallen, ich scheine ihre Stimme wirklich nur als Elisabeth nicht zu mögen. Auch Antonie Kamerling als Joe Gillis fand ich gut, er hat die Figur des erfolglosen Drehbuchautors glaubhaft rübergebracht. Nur das Titellied hat mir von ihm nicht so gut gefallen und vor allem der Schlusston war irgendwie sehr dünn. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich gerade diesen Song nunmal auch stark von Uwe im Ohr hab. Und überhaupt hatte ich diesen die ganze Zeit im Kopf, weil Joe Gillis meiner Meinung nach eine seiner absoluten Paraderollen war. Von daher hat Antonie das schon gut gemacht. Er ist halt nicht Uwe, aber daraus kann man ihm ja natürlich keinen Vorwurf machen!
Pia als Norma war natürlich DAS Highlight des Abends! Sie hat so intensiv gespielt, dass man wirklich glauben konnte, dass man vor der echten Norma Desmond steht. Da war rein gar nichts mehr von Pia auf der Bühne, so sehr war sie in die Figur eingetaucht. Eine unglaubliche Mimik und Gestik, teilweise auf Grund der Schrulligkeit zum Totlachen, dann aber wieder bemitleidenswert und zum Ende hin regelrecht unheimlich. Stimmlich war sie, wie immer, perfekt. Bei ihr sitzt jeder Ton, sie phrasiert wahnsinnig schön und hat hinter jedem Ton eine unheimliche Kraft. Pia ist perfekt, Pia ist einfach GANZ oben im Darstellerhimmel! Dementsprechend fiel auch der Schlussapplaus auf, artig erhob sich das Publikum schon beim Ensemble, wirklichen Jubel gabs aber nur bei ihr. Die anderen hätten es auch verdient gehabt!
Zur Sprache, da hatte ich vorher schon gezweifelt, ob ich da so mit zurechtkommen würde, es war aber kein Problem. Vielleicht lag es auch daran, dass ich Sunset auf Deutsch sehr gut kenne und den Text einfach ungefähr im Kopf habe, aber ich hab auch das Holländisch gut verstanden. Vielleicht nicht immer wortwörtlich, aber gut genug, um immer zu wissen, was gesagt wurde.
Hinterher wollte ich noch auf die drei Hauptdarsteller, vor allem auf Pia, warten, die kam auch einmal kurz ins Foyer und meinte dann, sie hätte Gäste und würde später nochmal kommen, wir sollten warten. So war ich die einzige, die zu dem Zeitpunkt ein Foto bekommen hat. Wir sind dann doch gegen 23:30 Uhr gefahren, weil es wie aus Eimern geschüttet hat und ich so kurz vor Wien sicher keine Erkältung riskieren wollte. Hoffentlich kam Pia echt nochmal, sonst hätten einige Mädels umsonst so lange in der Kälte gestanden...
Alles in allem war es ein toller Tag mit einem genialen Musical, das ich schon lange live sehen wollte. Und dann eben noch mit so einer tollen Norma Desmond - perfekt!
