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Am 30.10.2010 stand im Staatstheater Kassel die Premiere von Into the Woods auf dem Plan. Ein paar Tage vorher hatte ich bereits die Chance gehabt, bei einer Probe dabei sein zu können und so bereits einen ersten Eindruck und einige Szenen und Melodien im Kopf. Das, und natürlich die Aussicht auf Lisa in einer großen Rolle, ließ meine Vorfreude auf die Show ziemlich ansteigen.

Ich sollte nicht enttäuscht werden, unsere Plätze in der 1. Reihe waren perfekt und auch das Premierenfieber ging im ganzen Theater um. Man merkte, dass es sich nicht um eine normale Vorstellung handelte, sondern eben um die erste. Ich für meinen Teil war tierisch nervös. Zwar ist Lisa schauspielerisch wie gesanglich eigentlich grundsätzlich eine Bank - aber man weiß ja nie!

Irgendwann fing die Show dann mal an und ich war begeistert, dass Aschenputtel quasi sofort mit auf der Bühne ist. Guter Start. Der Ton war erst weniger gut, oder es lag an den schnellen Texten, die Ann Christin Elverum mit doch ziemlich starkem Akzent vortrug. Ich verstand jedenfalls zuerst mal wenig bis nichts. Allerdings auch bei den anderen erstmal nicht, nur bei Lisa, was aber auch gut daran liegen kann, dass ich ihre Stimme und Sprachmelodie einfach in- und auswendig kenne...

Bald war das Verständnis dann aber kein Problem mehr und ich konnnte mich ganz auf die Handlung konzentrieren. Ohne zu viel zur Geschichte sagen zu wollen, gebe ich besser nur einen Überblick. Es geht im Grunde um ein Bäckerehepaar, das durch den Fluch einer Hexe keine Kinder bekommen kann. Damit sie den Fluch von ihnen nimmt, müssen die beiden eine Kuh so weiß wie Milch, einen goldenen Schuh, ein Mäntlein so rot wie Blut und Haare so gelb wie Korn beschaffen. Und hier kommen dann also die bekannten Märchen ins Spiel, denn wir erfahren auch, was es mit den einzelnen Gegenständen und deren Besitzern auf sich hat.

Im zweiten Akt kehrt dann der Alltag bei den Märchenfiguren ein und völlig neue Probleme tun sich auf. Aber wie gesagt, ich möchte nichts verraten, am besten einfach selbst anschauen!

Fakt ist, es war extrem lustig im ersten Akt! Allen voran die beiden Wölfe/Prinzen, dargestellt von Serkan Kaya und Julian Looman. Beide waren allein in der Körpersprache und bei ihren Auftritten und Abgängen zum Schreien komisch und ihr Duett war dann der Höhepunkt. Aber auch die anderen machten ihre Sache verdammt gut. Ich wusste gar nicht, dass Lisa so extrem witzig spielen kann! Woher auch, bisher hatte sie ja nicht wirklich Gelegenheit, das zu zeigen. Sie ist einfach nur genial, jede Pointe sitzt und auch, wenn ich mich da wiederhole: Ich kenne niemanden, der so echt und natürlich spielt und auch keinen, der eine Stimme hat, wie sie. Vor allem "Niemand ist allein" im zweiten Akt war unbeschreiblich schön und ich finde, dass ihre Stimme ganz allgemein unter allen anderen rausgestochen ist! Perfekt, wie wird das erst, wenn sie ein paar Monate gespielt haben?!

Sehr gut gefallen hat mir auch das Rotkäppchen, Marianne Curn. Auch sie war total witzig und ihr Hüpf-Gang wurde zum Running Gag. Besonders lustig, wie sie ihn ihrer jeweiligen Stimmung angepasst hat! Aber eigentlich kann ich niemanden negativ herausstellen, ob nun Detlef Leistenschneider und Mary Harper als Bäckerehepaar, Tom Schimon als Hans, oder Ingrid Fröseth als Rapunzel - sie alle haben toll gespielt und gesungen! Das hat auch Ann Christin Elverum, aber wie bereits angesprochen habe ich ihren Akzent als sehr stark empfunden und hatte so bei ihr teilweise Verständnisprobleme.

Das Bühnenbild hat mich ebenfalls total begeistert, es ist als Miniatur dargestellt, mit Streichholzschachteln als Häuser und Streichhölzern als Wald. Als dann im zweiten Akt das Chaos losgeht, sind auch einige der Hölzer abgebrannt, was ebenfalls super gemacht ist. Genau wie ein überdimensionaler Zigarettenstummel, den die Riesin fallen lässt.

Die Musik von Sondheim ist sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig und geht nicht unbedingt sofort ins Ohr, allerdings habe ich einen Dauerohrwurm von Aschenputtels Solo im ersten Akt. Was wohl ein gutes Zeichen ist...

Was wirklich ausgezeichnet war, war die Stimmung im Publikum. Alle sind merklich mitgegangen, es gab viele Lacher, Szenenapplaus und bereits zur Pause lauten Jubel. Das steigerte sich dann noch beim Schlussapplaus, wo es gleich zu Beginn Standing Ovations gab. Die Darsteller schienen ganz überrascht von so großem Zuspruch zu sein. Wie viele Vorhänge es schließlich gab, habe ich nicht gezählt. Doch waren es einige! Lisa stand glücklicherweise auf meiner Seite und, abgesehen vom großen Orchestergraben, quasi vor mir. Da gabs dann also auch schon ein Winken.

Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, sich dieses Stück anzuschauen, es ist wirklich toll! Bis Juni ist Zeit, also auf nach Kassel!!

Anschließend stand noch die Premierenfeier an, die dann auch sehr schön wurde. Man hat sich eben doch einiges zu erzählen, wenn man sich zwei Monate nicht gesehen hat...


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Gegen 1 Uhr früh fuhren wir dann aber doch los, da wir ja noch fast zwei Stunden im Auto vor uns hatten.

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