Was ist das Schlimmste an einer Reise nach London? Definitiv die Flugzeiten!! Entweder man fliegt entspannt und ausgeschlafen los, kann dann aber eine Show oder ein Konzert am Abend knicken, weil man viel zu spät ankommt. Man zahlt also quasi eine Übernachtung, ohne was vom vorangegangenen Tag gehabt zu haben. Oder man schält sich eben leidend um vier Uhr morgens aus dem Bett, schläft im Flieger fast ein, kann so früh noch nicht in sein Hotelzimmer und ist deshalb gezwungen, den halben Tag irgendwo in der Stadt zu verbringen, kann aber dafür den Abend schon voll verplanen. Klingt stressig, ist es auch, aber trotzdem besser, als Variante 1. Also haben wir uns wieder einmal dafür entschieden, es genau so zu machen!
Grund für diese erneute Reise in Englands Hauptstadt, mittlerweile die dritte in diesem Jahr, war ursprünglich das 25-Jährige Phantom-Jubiläum in der wunderschönen Royal Albert Hall. Eine Freundin von mir ist schon längere Zeit total begeistert von Sierra Boggess und hat es dann vor einigen Monaten schließlich geschafft, mich mit dieser Leidenschaft anzustecken. Ich hab mich durch diverse Videos geguckt, Interviews gelesen und angeschaut und fand dann neben dem extrem sympathischen Auftreten Sierras vor allem auch ihre Stimme, sowie ihr geniales Schauspiel toll. Schade, dass Love never dies zu diesem Zeitpunkt schon fast beendet für sie war und ich somit die wohl für lange Zeit letzte Chance vertan hatte, sie live zu sehen. Dazu muss ich noch sagen, dass es bei mir normalerweise so ist, dass mich ein Darsteller oder eine Darstellerin live überzeugt und ich erst daraufhin bei YouTube und allgemein über ihn oder sie recherchiere und mehr Material zusammen sammel. Bei Sierra war es wie gesagt zum ersten Mal umgedreht.
Dann gab es irgendwann Gerüchte, dass sie zusammen mit Ramin bei den Jubiläums-Konzerten dabei sein könnte und es war klar, sollte dem so sein, dann würden wir uns das definitiv nicht entgehen lassen. Als es schließlich bestätigt wurde und auch der Kartenverkauf startete, wurde es ernst. Bei dem riesen-Andrang zweifelten wir schon daran, überhaupt Karten zu bekommen, geschweige denn gute. Aber das Glück war wieder einmal auf unserer Seite und so gelang es uns tatsächlich, Karten im Parkett zu buchen, in Reihe 12. Wahnsinn! Wie gut es war, dass wir uns hier für den zweiten Abend entschieden hatte, der, wie bald darauf bekanntgegeben wurde, auch gefilmt und weltweit im Kino übertragen wurde, stellte sich ein paar Tage später heraus. Da kam dann nämlich die Ankündigung, dass Kerry an den beiden Abenden davor, also am 30.9. und 1.10., ein kleines Konzert geben würde. Nur für den engsten Fan-Kern sozusagen, nicht einmal 400 Leute. So wurde aus unserem geplanten Wochenend-Kurztrip nun doch wieder ein langes Wochenende.
Am 30.9. ging es also zu der bereits angesprochenen unchristlichen Zeit los. Glücklicherweise klappte alles reibungslos und die Zeit, bis wir in London unser Zimmer beziehen konnten, verbrachten wir bei strahlendem Sonnenschein und beinahe 30 Grad im St. James Park, umringt von Eichhörnchen. Sehr zutraulich, aber an diesem Tag noch etwas fotoscheu:



Als wir danach dann unser Zimmer bezogen, folgte eine nette Überraschung. Kann man sich einen schöneren Blick aus dem Bett wünschen, als diesen?

Gezoomt sieht das ganze so aus:

Am frühen Abend und nachdem Kerry zu meinem Entsetzen schon mittags getwittert hatte, dass sie bereits im Theater sei (also wie schon im Mai kein Treffen vorher möglich...), beschlossen wir etwas sehr verwegen, zu Fuß zum Shaw Theatre zu gehen, in welchem "An Audience with Kerry Ellis" stattfinden sollte. Das Theater liegt nicht direkt im West End, sondern ziemlich... sehr außerhalb. Also mit dem Taxi bei dem Verkehr am Tag wohl recht teuer. Bahn mag keiner von uns, also eben zu Fuß los. Nach über eineinhalb Stunden kamen wir an, und waren kurz davor, uns vor lauter Frust über den viel länger als erwarteten Fußmarsch und die Schmerzen am ganzen Körper die Köpfe einzuschlagen. Allerdings standen vor dem Theater drei, vier andere Fans, von denen einer im Anthems-T-Shirt uns sogleich beglückwünschte, zu unserem Timing. Wir sollten uns mal umdrehen, Kerry würde gerade von einer kleinen Kaffee-Tour zurückkommen. Und wirklich, keine Minute später stand sie fröhlich grinsend und überschwänglich grüßend vor uns! Es war so richtig schön, sie nach der Oliver!-Derniere und vor allem der völlig überfüllten SD an der Royal Albert Hall, endlich mal wieder quasi "für mich" zu haben, also entspannt mit ihr reden zu können, ohne dass 50 Leute drumrum stehen und jedes Wort mithören! Bevor sie irgendwann rein ging, machten wir noch ein Foto (mit dem Handy, weil die Kamera aus unerfindlichen Gründen genau da ihren Geist aufgegeben hatte).

Kerry meinte, nach der Show würden wir uns sicher eh noch sehen, ich solle den Fotoapparat doch bis dahin reparieren. Mit einem "I see you after!!!" verabschiedete sie sich schließlich ins Theater.
Bald darauf gingen auch wir hinein, gespannt auf das, was uns nun erwarten würde. Wir hatten Plätze in Reihe 2, rechts, ziemlich am Rand. Wovon ich erstmal wenig begeistert war, aber auch hier schlug das Glück mal wieder zu! Auf der linken Bühnenseite stand nämlich ein Flügel (an dem bald darauf Craig Adams Platz nahm), daneben ein Hocker für einen Gitarristen (nicht Brian diesmal, sondern ein Anthony) etwa mittig ein Mikroständer, ja, und genau vor uns ein Tischchen mit zwei Sesseln. Außerdem waren die Sitze wie im Kino erhöht und wir somit in der zweiten Reihe genau auf Augenhöhe! Besser ging es gar nicht!!

Pünktlich betraten also Craig, der Gitarrist und ein Interviewer (ich entschuldige mich jetzt schon mal, dass ich die beiden Namen vergessen habe!) die Bühne. Und dann startete Kerrys Show mit "I could have danced all Night" aus My fair Lady. Was schonmal toll war, denn in letzter Zeit wurde unter den Fans immer öfter der Wunsch laut, sie mal ihre erste Profi-Rolle singen zu hören, oder ganz allgemein irgendetwas mit ihrer Sopran-Stimme. War wohl ein Fehler von ihr, in einem Interview zu erzählen, dass sie durchaus diese hohen Töne habe und bei Wicked damals sogar nicht nur für Elphaba, sondern auch für Glinda in der Audition war! Naja, dieser erste Wunsch wurde von ihr schonmal erfüllt. Und wie, denn sie sang den Song unbeschreiblich schön!
Danach ließ sie sich dann auf dem linken Sessel nieder und los ging das Geplauder! Nachdem kurz bemerkt wurde, dass sie vor ca. zwei Jahren genau in diesem Theater ihre ersten Solokonzerte gegeben hatte und dann auch kurz ihre Konzerte in der Albert Hall und die anschließende Tour angesprochen wurde, ging es ziemlich chronologisch los. Kerry erzählte von den Anfängen ihrer Karriere, davon, wie sie bei My fair Lady vom Swing durch die Ausfälle der Erst- und Zweitbesetzung der Eliza Doolittle plötzlich fast ungeprobt als neue First Cast auf der Bühne stand. Sie sprach allgemein über ihre Ausbildung und vom Leben als Musical-Schüler und später -Darstellerin. Dann ging es weiter mit Stories zu We will rock You, woraus aber nichts gesungen wurde. Natürlich ging es auch um ihre Freundschaft mit Brian May, wie diese sich entwickelt und wie die Zusammenarbeit begonnen hatte. In diesem Zusammenhang hat Kerry auch bemerkt, was für eine Sicherheit es ihr bei den Konzerten gibt, wenn Brian dabei ist. Und wie unglaublich, dass jetzt z.B. an diesem Abend die Leute ausschließlich ihretwegen da seien.
Nachdem dann kurz über die Miss Saigon-Tour gesprochen wurde, bei der Kerry die Ellen spielte, sang sie schließlich "Now that I've seen her" aus diesem Musical. Auch etwas, was ich unbedingt einmal live von ihr hören wollte. Hier war es nun, und ich kam mit der Gänsehaut gar nicht mehr hinterher!
Danach ging es um ihre musikalischen Einflüsse und Vorbilder, und wie sie deren Songs als junges Mädchen in ihrem Zimmer "gescreeched" hatte und so ihren Belt entwickelte. Darüber und über Gesangstechniken allgemein wurde auch gesprochen. Unglaublich, dass Kerry so gut wie keinen Gesangsunterricht nimmt, sondern alles möglichst instinktiv tut. Nur ab und an lässt sie mal ihre Technik auf eventuelle "bad habits" hin untersuchen. Aber wenn man zu viel über das "Wie" nachdenkt, dann geht das Gefühl verloren, meint sie. Man solle möglichst einfach singen. Allerdings meinte sie auch, dass die Stimme eine Show wie Wicked kaum überleben wird, wenn man die Songs wirklich 8x die Woche mit allem hinausbeltet, was man hat. Man muss eine Balance finden.
Ein weiteres Thema waren die Musical-Castingshows, die es in England ja seit Jahren gibt. Ob man nun eine Nancy sucht, eine Dorothy, oder einen Joseph. Kerry äußerte sich da sehr diplomatisch. Man merkte ihr an, dass sie kein allzu großer Fan davon ist, auf der anderen Seite meinte sie aber auch, dass es natürlich toll sei, dass Musical so auch den Leuten näher gebracht würde, die sich sonst keine Show anschauen würden. Und wenn sie so dann ins Theater gezogen würden, dann sei das doch wirklich positiv. Wenn es zu ihren vor-Karriere-Zeiten schon sowas, oder z.B. auch X Factor, gegeben hätte, dann hätte sie da auch mitgemacht. Allerdings sagte sie etwas sehr Wahres: Heute wollen die meisten Leute nur berühmt werden, der Berühmtheit an sich wegen. "Famous for nothing". Auf Dauer würde aber nur der im Gespräch bleiben, der wirklich gut ist in dem, was er tut. Wie etwa Elaine Paige. Alle anderen sind genauso schnell wieder unten, wie sie oben waren. "This obsession with fame is crazy".
Zum Abschluss des ersten Teils sang Kerry dann noch ein Andrew Lloyd Webber-Medley, das gleiche, das sie auch schon bei ihrem Great British Songsbook gesungen hatte. Supertoll, besonders der Übergang zu "Memory" aus Cats, als sie nach einiger Zeit Melodie und völlig aus dem Nichts diesen Wahnsinnston, verbunden mit Ellis-Growl von "Toooouuuuuuch meeeee, it's so eeeaaaaaaaasy too leave meeeeee" schmettert!! Ich liebe es und ihre Stimme und überhaupt!
Dann war erstmal eine Weile Pause. Und ich saß da nur völlig geflashed und versuchte, das gerade Gehörte zu verarbeiten. Es ist nicht so, dass ich vorher immer vergessen würde, wie genial Kerry singt, es ist nur so, dass sie mich trotz dieses Wissens jedes Mal aufs Neue komplett aus dem Sitz haut. Sie ist für mich einfach die beste, kraftvollste, umwerfendste Sängerin auf diesem Planeten, Punkt!
Weiter ging es schließlich mit dem zweiten Teil. Hier sang Kerry gleich zu Beginn "I dreamed a Dream" aus Les Mis. Wunder-, wunder-, wunderschön!! Und dazu noch so hoch, wie ich sie noch nie hab singen hören. Wirklich total klasse und mein Lieblingssong an diesem Abend!
Im Gespräch ging es dann erstmal um ihre Spielzeit als Fantine in diesem Musical und um die aktuelle Produktion in London mit Alfie Boe. Nachdem dann kurz das Gespräch darauf kam, dass Kerry doch auch mal Oper singen könnte, wo sie doch offensichtlich erstaunlich hoch mit ihrer Stimme käme, wurde es etwas privater. Es ging um ihre Hochzeit vor ein paar Wochen, und wie nervös sie war. Dann erzählte sie allgemein etwas von Hochzeiten und davon, wie sie vor Jahren einmal für eine Freundin hatte singen müssen, und das sicher nie wieder tun würde, weil es sie sämtliche Nerven gekostet habe.
Anschließend ging es um Wunschrollen, wie etwa Evita, und um große Rollen, die sie bereits gespielt hat. Wie Nancy in Oliver!. Bei der Gelegenheit sprachen sie auch die "I'd do anything"-Castingshow an, bei der Kerry ja den Mädels für eine Sendung mal etwas unter die Arme gegriffen und Tipps gegeben hatte, damals selbst noch bei Wicked spielend. Kerry und der Interviewer riefen sich einige Namen ins Gedächtnis und stellten dabei fest, wie talentiert die Nancy-Anwärterinnen gewesen waren und dass auch fast alle von ihnen mittlerweile in irgendeiner Show zu sehen seien.
Und dann kam das Gespräch auf den wohl karriere-technisch wichtigsten Abschnitt für Kerry: Wicked! Sie erzählte, wie sie anfing, wie sie für Idina einspringen musste und schließlich als erste britische Elphaba übernahm. Sie meinte, dass ihre Stimme damals in der besten Form überhaupt war.
Natürlich wurde auch ihre Zeit am Broadway besprochen und als sie gefragt wurde, ob die Stimmung in NY nicht ganz besonders sei, merkte man an ihrem Herumgedruckste, dass sie die Show in London offenbar beeindruckender fand. Inklusive Publikumsreaktionen.
Sie erzählte allgemein noch etwas von Amerika, und dass die Darsteller dort eine sehr große Community bilden, die beispielsweise auch zusammen Charity-Aktionen plant. Alle paar Monate gibt es z.B. einen Flohmarkt, auf dem altes Equipment wie Schminke, falsche Wimpern, Kostüme, etc. für einen guten Zweck verkauft werden.
Besonders vermisst hat sie in dieser Zeit Jack und Ocho, ihre Hunde. Von denen erzählte sie daraufhin natürlich erstmal eine Weile. Ihre "Boys", sehr süß. Wobei Jack wohl mittlerweile immer heult, wenn er Kerry singen hört. Besonders bei Wicked-Songs.
Im Anschluss sprachen die beiden über Chess, Kerrys erste Show in der Albert Hall. Sie erzählte, wie sie damals zur Audition ging und die Verantwortlichen unbedingt "No one but You" von ihr hören wollten, und schwärmte vor allem von ihren Kollegen, eben Idina Menzel, Adam Pascal, Josh Groban, ...
Nach diesem Thema ging es wieder ans Singen, und diesmal gab es einen ganz besonderen Song: "For my Heart". Selbst geschrieben, mit der von Craig Adams komponierten Musik. Gibts irgendwas, was diese Frau nicht kann? Dass das Lied toll war, muss ich wohl gar nicht mehr erwähnen...?
Danach spekulierte Kerry etwas darüber herum, dass Craig ihr auch gerne mal ein ganzes Musical schreiben könne. Darüber kamen sie dann auf Musicalworkshops und Kerry schwärmte in den höchsten Tönen von einem Trevor Nunn-Stück, welches das beste gewesen sei, was sie je gespielt habe, es aber bisher leider auf keine Bühne geschafft habe. An sich sei es aber immer toll, neue Rollen zu entdecken. Wie jetzt ja auch bald in Godspell, in Manchester, wo sie bei der konzertanten Version dabei sein wird.
Der "geplante" Teil war somit beendet, wobei es auch hier unzählige spontane Stellen gab. Ich habe nicht gezählt, wie oft Kerry an diesem Abend irgendeine ganz lustige Geschichte einfiel, an der sie uns sofort alle teilhaben lassen musste. Ab und an fiel ihr dann beim Erzählen plötzlich auf, dass das ja doch gar nicht die Person oder das Stück war, um das es gerade ging. Aber egal, es war dann gerade lustig! Und einfach so extrem sympathisch! Mittendrin erkundigte sie sich dann auch noch, wer eigentlich bei Twitter als kerryjaneellis angemeldet sei, sodass für sie selbst nur noch kerryjaneellis1 übrig geblieben war.
Weiter ging es nun mit Publikumsfragen an sie. Und anders als vorher befürchtet, waren 96% durchaus vernünftig und gut überlegt! Viele Fans wollten Tipps für eine Musicalkarriere haben oder fragten, wie man überhaupt einen Anfang findet. Wie man sich vorbereitet, wie man so singen lernt, ob man auch mal zweifelt, etc. Es gab Fragen zur Tour, zu eventuellen DVDs (die wirklich mal herauskommen sollten!), und dazu, ob sie auch mal in einem reinen Theaterstück mitspielen würde (würde sie) . Eine Frau sicherte ihrer Musical-Kindergruppe sogar einen Kerry-Besuch bei deren nächstem Projekt. Sie meinte, das würden sie gleich nach der Veranstaltung nochmal drüber reden und was abmachen. Dann ging es um Barbra Streisand und Lieblingssongs von dieser und es wurde gefragt, ob sie, als sie jünger war, auch irgendjemanden so toll fand, dass sie deswegen durch die Gegend gereist ist. So, wie wir es jetzt ihretwegen tun... Eine Person gab es da nicht, aber sie ist damals für Auftritte durchs halbe Land gereist.
Sie sprach auch nochmal über Gesangstechniken und darüber, dass sie wirklich gerne bald wieder eine neue Rolle kreieren würde. Eine Frau fragte, wie sie sich gefühlt habe, als sie vor einer Weile mit den Red Arrows fliegen durfte. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: "SICK!!!" Aber toll sei es trotzdem gewesen, und sie durfte sogar ein bisschen selbstständig fliegen!
Anschließend wurde sie nach dem Druck beim Vorsingen gefragt und meinte, dass dieser definitiv größer werden würde, je mehr Rollen man gespielt und Erfolg man habe. Und wenn man dann einen Blick auf die Liste erhaschen und sehen würde, was für tolle Leute vor einem dran seien... "Ohh.... Dianne Pilkington....."... dann würde das nicht gerade zum Selbstbewusstsein beitragen.
Nachdem Kerry dann von einem Mädchen ein Geschenk auf die Bühne gereicht bekommen hatte, war es für diesen Abend schon fast vorbei. Ein Mann fragte, was sie Silvester 2006 auf 2007 gemacht habe, am 1.1.07 sei schließlich ihre erste Elphaba-Show als First Cast gewesen. Erstmal hatte sie keine Ahnung, dann fiel es ihr aber ein. Es sei langweilig gewesen, sie habe noch vor 24 Uhr geschlafen.
Die letzte Frage war die nach ihrem Lieblingssong aller Zeiten. Sie entschied sich für "No one but You".
Die Show wurde mit einem letzten Lied beendet: "Defying Gravity", aber nur mit Klavierbegleitung und sehr langsam. Also in Balladen-Form, ganz ohne Gebelte. Und definitiv die schönste Interpretation, die ich von diesem Song jemals gehört habe!
Danach ging es direkt ins Foyer, Kerry sollte kurz darauf hinzustoßen. Dem war auch so, und weil ich zufälligerweise genau dort stand, wo sie herauskam, war ich eine der ersten die zu ihr kamen.








Wir machten noch ein Foto, mit der nun wieder funktionierenden Kamera und sie fragte, wie es mir gefallen habe. Und meinte, es sei total schön gewesen, mal wieder all diese alten Songs zu singen und in Erinnerungen zu schwelgen. Als sie sich fürs Kommen bedankte und ich sagte, dass ich am nächsten Abend nochmal da sei, meinte sie, das sei toll, ich solle dann aber doch auch mal ne Frage am Ende stellen. Ja sicher....



So ging der erste Abend also zu Ende und allein dafür hatte die gesamte Reise nach London sich schon gelohnt. Es war mal was ganz anderes als sonst, alles sehr intim und klein. Aber genau deshalb so schön. Ich könnte Kerry ewig beim Plaudern zuhören, und wenn sie singt.... mein Gott!
Am nächsten Tag, dem 1.10.11, stellten wir uns schon um 9 Uhr für Day Seats für die Matinée bei Wicked an. Eine Zeit, die bisher immer massig gereicht hatte, vor allem, wenn es an diesem Tag gleich zwei Shows gab. Nun, diesmal war dem nicht so, und als wir nach eineinhalb Stunden an der Kasse ankamen, war noch genau ein Platz übrig. Und der war ganz außen. Zähneknirschend kauften wir also zum Normalpreis zwei Karten in Reihe 6, genau in der Mitte. Tolle Plätze, aber eben über 120 Pfund teurer, als geplant...
Vor der Show warteten wir dann etwas an der SD, weil ich Rachel Tucker ja beim letzten Mal nicht mehr gesehen hatte, aber gern ein Foto und einen Eintrag in meinem Buch von ihr haben wollte. Nach einer Weile gesellte sich jedoch ein Mädchen aus einer etwas weiter weg stehenden Fangruppe zu uns und wollte wissen, auf wen wir denn warten würden. Und eröffnete uns dann gleich, dass heute weder Rachel, noch Louise Dearman spielen würden, beide krank. Es würden also Nikki Davis-Jones und Chloe Taylor auf der Bühne stehen. Chloe habe sie auch noch nicht gesehen, aber Nikki sei sehr gut. Ok... also ging es mit etwas getrübter Stimmung aber voller Vorsätze, wie immer auch der Zweitbesetzung eine faire Chance zu geben, ins Theater. Wo mir in der Bar erstmal ein altbekanntes Gesicht ins Auge sprang:

Wir nahmen dann bald Platz, um uns rum so einige Kinder... aber naja, muss ja nicht immer automatisch heißen, dass die sich nicht benehmen können. Gut, warum das dicke Mädchen neben mir jetzt die ganze Show laut knisternd Kekse und Chips in sich stopfen musste, und dann nichtmal von ihrer leeren Dose ablassen konnte, sondern diese gedankenverloren und lautstark malträtierte, hat sich mir immer noch nicht erschlossen, aber es hat ja jeder andere Essgewohnheiten... Oder? Und dass ausgerechnet das kleine Mädchen direkt vor uns sich beim Wizard-Kopf so erschrak, dass es vom Sitz schoss und panisch hin- und herrannte, war nun wirklich Pech.
Ansonsten war die Show aber echt sehr gut. Davon abgesehen, dass ich Wicked wie ja schon mehrfach gesagt einfach liebe, allein die Ouvertüre mir immer schon eine endlose Gänsehaut beschert, und das ganze in London gleich noch viel toller ist, waren auch Nikki und Chloe wirklich gut. Vor allem letztere! Etwas komisch war, dass sie nicht nur größer als Nikki ist, sondern auch die etwas tiefere, wärmere Stimme hat. Also Glinda und Elphaba mal genau anders herum eigentlich! Das war auch gleich der Grund, dass ich Nikki an sich zwar gut fand, also was das Schauspiel und auch den Gesang an sich angeht, mit ihrer etwas quäkigen Stimmfarbe aber nicht warm wurde. Erinnerte mich streckenweise an Idina, und die mag ich auch nicht so als Elphie. Mir gefallen da halt eher die Kerrys unter den Grünen!
Chloe fand ich wie gesagt richtig gut, sie hat toll gesungen und ich fand sie auch richtig lustig. Vor allem, weil sie öfter mal für mich neue Sachen gemacht hat, an anderen Stellen ihre Witze eingestreut hat und eben nicht mit so vielen anderen Glindas zu vergleichen war! Was ich besonders schön fand, und was eigentlich eine typische Kerry-Geste ist: Bei "For good" legte Nikki Chloes Hand auf ihr Herz, während sie die "like a handprint on my heart"-Stelle sang. Und am Ende des Liedes stupste Chloe ihr gegen die Nase. Ich mag solche kleinen, liebevollen Gesten richtig gerne, sie machen das Spiel ungemein realistisch!
Was die restliche Cast anging, so hatten wir genau die gleiche Besetzung, wie im April. Mark Evans' "Dancing through Life" fand ich wieder sensationell! Und sein Zusammenspiel mit Nikki war bemerkenswert, man könnte meinen, dass die zwei wirklich ein Paar sind. Vielleicht sind sie es sogar, keine Ahnung. Lustig war, wie sie bei der Zeile "Somehow I've fallen under your spell" in "As long as you're mine" mit entsprechenden Gesten vor seinem Gesicht rumfuchtelte und er erstmal loslachen musste.
Ben und Zoe als Boq und Nessa waren auch super und besonders gefiel mir, wie auch schon beim letzten Mal, Clive Carter als Wizard! Tolles Spiel, lustig, gute Stimme. Quasi ein Novum bei dieser Rolle...
Insgesamt fand ich die Show sehr emotional, ich weiß allgemein immer gar nicht, warum hinterher alle so fröhlich aus dem Theater kommen und von Happy End reden, nur weil Elphaba dann doch nicht tot ist. Ich mein... es geht hier um eine große Freundschaft, DIE Freundschaft fürs Leben. Und die existiert nicht mehr, die beiden werden sich niemals wieder sehen! Dazu kommt noch, dass Glinda völlig allein zurückbleibt und niemanden mehr hat. Wo ist da bitte das Happy End? Also ich finde offen gestanden kaum ein Musical so traurig, wie Wicked!
Abends ging es dann wieder zu Kerry, wo wir ja diesmal schon wussten, was uns in etwa erwarten würde. Glücklicherweise hatten wir die Plätze vom Vortag, also wieder die perfekte Sicht auf das Geschehen. Diesmal hatte sie sich Unterstützung mitgebracht. Ihr Vater und ihre Stiefmutter waren ebenso da, wie ihr Neu-Ehemann und der gute alte Mr. Brian May!
Gesungen wurde natürlich genau das gleiche, wie schon am Vortag. Wobei ich sie noch besser und emotionaler fand, wenn das überhaupt möglich sein sollte!
Auch das Programm war im Grunde gleich, also zumindest der Rahmen, worüber gesprochen wurde. Allerdings war alles etwas zusammengerafft und Kerry plauderte nicht so frei durch die Gegend, wie in der ersten Show. Soll heißen, sie erzählte nicht mehr so spontan drumherum, sondern beantwortete im Wesentlichen nur die gestellte Fragen. Witzig war, wie sie sich beim Thema Castingshows diesmal wirklich um Kopf und Kragen redete. Kerry ist niemand, der andere Künstler öffentlich in irgendeiner Form schlecht machen würde. Da aber jeder weiß, was sie von Susan Boyle hält, wurden ihre "Ist doch schön, vielleicht geht ja jetzt nur ihretwegen jemand in Les Mis!"-Aussagen mit einem lauten Lachen des Publikums beantwortet. Sie wollte so offensichtlich sachlich und nett sein und die ganze Situation wurde dadurch so ironisch, das war echt Comedy pur! Vor allem, als Kerry dann auch noch betont locker und lächelnd einstreute, dass die Boyle ja gerade in Amerika "You have to be there" veröffentlicht habe, ein Titel, der ja bekanntermaßen von Kerry bekannt gemacht wurde und auch auf deren Album zu finden ist. Sie versuchte immer wieder, die Situation irgendwie zu retten und betonte, wie ernst sie das gerade meinen würde, ritt sich damit aber immer weiter in den Fettnapf. Irgendwann ließ sie sich in ihrem Sessel zurückfallen, schmiss den Kopf in den Nacken und meinte, vielleicht wär es besser, wenn sie einfach gehen würde.
Das tat sie aber natürlich nicht, und sie selbst fand es ja eigentlich auch witzig! Genauso witzig war auch, wie die Sprache dann über Kreuzfahrten auf Ramin Karimloo kam und Kerry spontan "He's gooooorgeous, I love him!!" meinte. Nur, um dann etwas panisch festzustellen, dass ihr Mann ja da sei und das jetzt natürlich gar nicht so gemeint gewesen sei!!
Weil die Fragen vom Interviewer diesmal schneller abgehandelt wurden, blieb diesmal mehr Zeit für die Publikumsfragen. Das war vermutlich auch so geplant, da am Vorabend nicht mehr alle zu Wort gekommen waren.
Einige Fragen glichen denen vom Vortag, aber es gab auch ein paar neue, wie etwa, wie es zur Zusammenarbeit mit Scott Alan kam, und zur Aufnahme von "Behind these Walls". Ob sie nicht mit Ramin mal etwas zusammen machen könnte, wurde auch gefragt. Und jaaa, sie würde gerne. Ich auch!! Ein Fan fragte nach ihrem liebsten Fangeschenk und Kerry plauderte etwas aus dem Nähkästchen, vom Banana Holder und den Streisand-Tickets in der O2. Und außerdem würde sie diese Scrapbooks mögen, mit Fotos und Artikeln über sich. Weil das tolle Erinnerungen seien und sie selbst auch nie was sammeln würde.
Daraufhin bekam sie erstmal ein großes Buch mit Fotos all ihrer Tour-Stationen überreicht, wirklich toll gemacht! Und Kerry standen in dem Moment die Tränen in den Augen! Das war wirklich mal ein super Geschenk!
Ein junger Mann wollte wissen, wie sie ihren Growl hinbekommt, ohne ihre Stimme zu ruinieren. Sie meinte, man muss es tun, wenn man es fühlt. Nicht auf Teufel komm raus. Gilt allgemein fürs Singen, gerade auch was das Belten angeht. Man muss seine Stimme kennen und schonen. Aber an sich ginge es aber eh darum, die Geschichte zu erzählen. Da sei es auch nicht schlimm, wenn irgendwann zwischendurch mal die Stimme wegbrechen würde. Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, meinte sie, am liebsten wie bisher. Musicals, also West End, gerne auch wieder ein Album, Konzerte, Fernsehen, alles!
Vom Publikum besonders begeistert aufgenommen wurde die Frage, mit wem sie am liebsten Sex hätte: Mazz Murray, Dianne Pilkington oder Oliver Tompsett? Nachdem sie dann meinte, sie liebe sie alle, also mit allen dreien, fügte sie noch hinzu, sie bräuchte sich heute wohl gar nicht mehr zu Hause sehen zu lassen, ihr Mann sei doch im Publikum!!!
Ein Mädchen wollte wissen, wer in einer Verfilmung ihres Lebens ihre Rolle spielen sollte. Sie meinte, irgendwer tolles, hübsches, Cameron Diaz zum Beispiel. Woraufhin wir uns gemeinschaftlich einigten, dass Kerry selbst immer noch die beste und schönste Kerry wär! Zu Musical-Verfilmungen meinte sie, dass sie sicher nicht für Wicked oder Les Mis gecastet werden wird, aber vielleicht könnte sie ja die Synchro machen. Schauspielerisch könne man Film und Musical gar nicht vergleichen. Deshalb würde sie wenn überhaupt was im Fernsehen machen.
Etwas überlegen musste sie, als sie nach ihrem schönsten Bühnenmoment gefragt wurde. Sie nannte dann drei: Das Festival of Remembrance, den Auftritt mit Brian vor der Queen und ihre Wicked-Derniere. Und allgemeine unglaubliche Momente waren z.B. ihre erste West End-Show, Broadway, und eigentlich immer alles neue, was sie so tut.
Die Frage nach dem größten Hindernis in ihrer Karriere, beantwortete sie sofort mit "Wicked!! Obviously!". Weil es halt so riesig und anstrengend war. Aber gleichzeitig sei es auch eins der besten Erlebnisse in ihrem Leben gewesen. Je härter man arbeitet, desto mehr bekommt man am Ende auch zurück. My fair Lady sei z.B. auch sehr schwer gewesen. Allgemein sei es schwer, seinen Erfolg zu erhalten. Da zu bleiben, wo man ist, und nicht nachzulassen. Aber eine Rolle, von der sie sich heute wünscht, sie nicht gespielt zu haben, gibt es nicht.
Der abschließende Song wurde diesmal mehr als treffend angesagt: "Final thanks to Kerry, who is going to once again prove: No one defies gravity quite like her!"
Anschließend ging es wieder ins Foyer.

Ich wollte mich nur nochmal für die tollen Abende bedanken, und verabschieden. Und so machte ich es dann auch. Auch Kerry bedankte sich nochmal überschwänglich fürs Kommen:

Dann fragte sie, ob ich am nächsten Tag schon wieder nach Hause fahren würde. Woraufhin ich erzählte, dass wir uns das Phantom-Jubiläum ansehen würden und deswegen in London seien, ihretwegen aber früher angereist wären. Entsprechender Blick:

Ich fragte sie, ob sie denn am nächsten Abend auch in der RAH sein würde. Auf ihr "No... well, I might be... maybe..." antwortete ich, dass es ausverkauft sei:

Danach meinte sie, dann müsse ich ihr eben alles erzählen. Das versprach ich ihr, und dann verabschiedeten wir uns auch schon und sie wünschte eine gute Heimreise, und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen. Joa... das hoff ich auch!
Am 2.10. war von früh bis spät Phantom-Zeit angesagt. Naja, mehr oder weniger. Karten hatten wir nur für die Abendshow. Wir hatten allerdings vor, schon am Vormittag an der Halle vorbeizuschauen, in der Hoffnung ein paar Castmitglieder, allen voran natürlich Sierra, zu Gesicht zu bekommen.
Und wirklich, kurz nachdem wir uns zu den noch gar nicht so zahlreichen anderen Fans gesellt hatten, erschien auch schon Earl Carpenter, der zwar eigentlich eher als Phantom bekannt ist, in dieser Show aber "nur" den Auktionator zu Beginn spielte:

Weiter ging es mit Daisy Maywood, der Meg dieser drei Konzerte. Sie war tiiiiierisch lieb zu allen, plauderte und freute sich offenbar über jeden, der sie ansprach!

Als nächstes kam dann eine dieser Persönlichkeiten an der Halle an, die man nur aus dem Fernsehen und irgendwelchen Making Offs kennt (oder von gaaaaanz weit weg, wie bei der Oliver!-Derniere): Cameron Mackintosh himself! Und wie das so oft der Fall ist, war auch hier wieder mal ein so großer Star ganz besonders nett und bemüht! Er nahm sich sehr viel Zeit für Autogramme und Fotos und hatte für jeden ein nettes Wort übrig, obwohl er am Ende schon von seiner Begleitung in Richtung Eingang gedrängt wurde. Also ein nicht nur überragender Regisseur, dem wir einen großen Teil der uns bekannten Inszenierungen verdanken, sondern auch ein sehr sympathischer Mann!



Dann kam erst einmal eine Weile keiner, doch als ich mich eher zufällig umdrehte und mich plötzlich Auge in Auge mit Sierra Boggess, DER Sierra Boggess, wieder fand, war die Überraschung dafür umso größer! Ich war mir gar nicht sicher gewesen, ob sie überhaupt durch die normale SD gehen, oder doch eher das angrenzende Parkhaus benutzen würde. Immerhin ist Sierra ja für ihr sehr freundliches Verhalten ihren Fans gegenüber genauso bekannt, wie dafür, größere Menschenansammlungen lieber zu meiden... Nun ja, jetzt stand sie aber lächelnd vor mir und irgendwie war ich wohl die erste, die sie überhaupt entdeckt hatte! Das änderte sich schnell und so musste sie eine ganze Reihe Programmhefte unterschreiben und Fotos machen. Das tat sie alles mit einem Lächeln im Gesicht und war ganz geduldig, bis schließlich jeder das hatte, was er wollte. Auch sie fand ich extrem sympathisch, eine tolle, freundliche Ausstrahlung, hier und da am Plaudern, richtig nett! Und mein Gott, in echt ist die Frau sogar NOCH schöner! ;)













Kurz nach ihr kamen der wohl in seinem Metier recht bekannte Balletttänzer Sergei Polunin an, kurz danach dann auch Hadley Fraser, der den Raoul in dieser Show spielte. Vor allem letzterer war blendend gelaunt. Er unterhielt sich erst eine ganze Weile mit einer Gruppe Frauen an der SD und widmete sich dann den anderen. Er schaffte es sogar, mich in den ca. 20 Sekunden, die ein Foto so benötigt, mich gleich doppelt "Darling" zu nennen... muss an der Rolle liegen.... na wie auch immer, nett fand ich ihn trotzdem!
Danach kam dann auch Ramin an, er hechtete allerdings wie vom Affen gebissen aus seinem Taxi, winkte in die Menge, entschuldigte sich doppelt und dreifach und stürmte in die Halle. Grund dafür war, dass er im Stau gestanden und jetzt nur noch etwas über eine Stunde für sein komplettes Make Up hatte. Dies betonte er den Tag über noch einige Male auf Twitter und entschuldigte sich immer wieder. Ich fand das gar nicht sooo schlimm, mit ihm hab ich ja schon meine Fotos und ein paar kleine Gespräche gehabt. Von daher... wäre es bei Sierra so gelaufen, wäre ich enttäuschter gewesen!
Wir machten uns danach dann wieder auf in Richtung St. James Park. Diesmal mit Nüssen für die Eichhörnchen ausgestattet. Diese sind wirklich total zutraulich und holen sich das Futter aus der Hand.
War alles total süß, niedlich, entzückend, bis mich dann so ein rabiates Mistvieh ansprang, die Nüsse an sich riss und mir mit seinen 3 Meter-Krallen den linken Ringfinger aufschlitzte. Nachdem es mich dann noch gebissen hatte, zog es mit seiner Beute von dannen...
Am frühen Abend machten wir uns wieder auf zur Royal Albert Hall, die wunderschön aussah:
Auch der Zuschauerraum war umwerfend, vor allem der riiiiesige Lüster, der (noch zugehängt) genau darüber hing. Das Bühnenbild war ein Wahnsinn, echt unglaublich, dass dieser ganze Aufwand nur für zwei Tage und drei Shows betrieben worden war! Da weiß man doch, woher die Ticketpreise zum Teil kommen...
Die nächste Überraschung erlebten wir, als wir uns zu unseren Plätzen bewegten. Diese waren in Reihe 12, das Tolle daran war aber, dass es die ersten sechs Reihen gar nicht gab und wir somit eben doppelt so nah an der Bühne saßen, wie eigentlich geplant! Und dann auch noch am Gang, somit hatte ich freie Sicht auf das Geschehen!
Die Show an sich war dann der absolute Hammer! Allein die Ouvertüre war so dermaßen genial, richtig laut, dann der Lüster, der mit Feuerwerk langsam unter der sich nun hebenden Abdeckung sichtbar wurde... toll!! Aber die ganze Show war toll, die Ensemblenummern wie etwa die Opernprobe gleich zu Beginn, oder vor allem auch "Masquerade" waren ein Traum! Ich habe noch nie ein so riesiges Ensemble auf so einer "normal großen" Bühne gesehen, das waren über 100 Leute! Und auch das Orchester war sehr gut.
Was etwas störte, waren die doch recht lauten Nebengeräusche von den Kameras und die etwas leisen Dialoge. Außerdem kam ich nur schwer wirklich in die Show rein, weil ich aus den Augenwinkeln jede Bewegung, jeden aufstehenden und rumlaufenden Besucher im Rang sah. Ebenso jede geöffnete Tür inklusive Lichtschein. Es wurde auch während der ganzen Show nie richtig dunkel in der Halle, was die Umgebung natürlich noch deutlicher wahrnehmbar machte. Also ein richtiges Theater ist mir trotz der schon tollen und besonderen Atmosphäre in der RAH lieber, so viel steht jetzt fest! Und: Es gab keinen fallenden Lüster, das war wohl technisch nicht machbar...
Das ist aber Jammern auf hohem Niveau!
Das Ensemble auf der Bühne fand ich durchweg richtig gut! Liz Robertson spielte Mme Giry, sie hatten wir schon in Love never dies gesehen. Wie bereits angesprochen war Daisy Maywood Meg, und auch sie machte ihre Sache sehr gut. Ich wunderte mich etwas, warum sie so oft weinte, allerdings sagte sie später über Twitter, dass sie allergisch auf das Make Up reagierte. Die arme...
Als Carlotta sahen wir Wendy Ferguson, die wir bereits aus Oliver! und auch als Carlotta von unserem POTO-Besuch vor vier Jahren kannten. Sie war sehr gut, sang toll (eigentlich toller, als die Carlotta das tut...) und war sehr witzig. Witzig waren auch die Herren Firmin und André, gespielt von Barry James und Gareth Snook. Sie sorgten definitiv für die meiste Komik im Stück! Besonders lustig war, wie M. André nach dem "Kröten-Zwischenfall" versucht, das Publikum zu beruhigen und das Ballett aus Akt 3 der Oper ansagt. Das aber etwas zu nervös und ungehalten, um noch ernst genommen zu werden, und auch gleich drei Mal, nachdem nicht sofort nach seiner Ansage etwas geschieht. Im Abgang wurde er dann auch noch von einer Tänzerin mit einem Stück Dekoration auf dem Arm gerammt, herrlich!
Hadley als Raoul fand ich stimmlich absolut tadellos, er sang seine Parts sehr sicher und schön. Auch schauspielerisch fand ich ihn ok, obwohl er mir doch teilweise etwas zu hart war. Er war so gar nicht der liebe Junge, der sich Hals über Kopf in Christine verknallt, sondern eher der erwachsene Mann, der sie für sich haben will. Nicht wirklich liebenswert und auch Christine gegenüber, etwa bei "All I ask of you", alles andere als ein großer Tröster. Es entstand eher der Eindruck, dass er Christines Phantom-Geschichten als Quatsch abtut und sich gar nicht erst damit auseinandersetzen möchte. Er war eher genervt, als besorgt.
DIE Darsteller des Abends waren auf jeden Fall Sierra Boggess und Ramin Karimloo. Er war stimmlich in Bestform und sang einfach traumhaft. Egal, ob nun die kleineren Stellen wie im Spiegel, die Reprise von "All I ask of you", "Wandering Child", oder größere Nummern wie "The Point of no Return" und natürlich "Music of the Night" (wofür er einen sehr langen Applaus bekam) - seine Stimme ist zum Hinknien schön. Vor allem dieser eine besondere und typische Ramin-Ton, der den Abend über immer mal wieder zu hören war. Auch schauspielerisch war er voll auf der Höhe und zeigte die Wandlung vom mystischen Angel of Music zum Wahnsinnigen und gebrochenen Mann am Ende sehr nachvollziehbar und gut!
Die einzige, die an diese Leistung herankam, war Sierra. Sie gefiel mir sogar noch einen kleinen Tick besser, sie war einfach in jeder Hochsicht umwerfend und perfekt. Eine bessere Christine kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, bei ihr stimmte einfach alles. Angefangen bei der Optik, über ihre wunderschöne und glasklare Stimme, bis zum phänomenalen Schauspiel. Um die Geschichte zu erzählen und Emotionen zu transportieren, muss diese Frau eigentlich gar nicht singen. Man sieht bei einem Blick in ihr Gesicht, ihre Augen, wie sie sich fühlt und wie es ihr geht. Sie hat eine so ausdrucksstarke Mimik. Aber auch die Gestik und die ganze Körpersprache stimmte bis ins Detail. Diese Unsicherheit, als sie zu Beginn für die neuen Direktoren "Think of me" singen soll, ihre Freude über Raouls unerwartetes Auftauchen und schließlich ihre völlige Hingabe das Phantom betreffend. Die Chemie zwischen Ramin und Sierra war aber auch fast greifbar, sowas ist echte Magie! Gibt es nicht häufig! Ein absolutes Traumpaar!
Toll war auch von ihr dargestellt, wie diese angesprochene Hingabe und Faszination schließlich umschlägt, in blanke Angst und Panik. Ihre Verzweiflung in der ganzen Dach-Szene am Ende des ersten Akts war sensationell gespielt. Auch im zweiten Akt setzte sie diese Leistung fort und das ultimative Highlight der ganzen Show war für mich ihr "Wishing you were somehow here again". Das sah wohl auch der Rest des Publikums so, gab es doch für diesen Song den mit Abstand längsten und lautesten Applaus. Dieser war so enthusiastisch und begeistert, dass selbst Sierra irgendwann ein Grinsen nicht mehr unterdrücken konnte!
Ganz stark war auch der Schluss, das Zusammenspiel von Ramin und Sierra während "Point of no Return", erneut diese Anziehung und Erotik zwischen den beiden, und dann schließlich der Showdown in den Katakomben der Oper. Ich habe es noch nie gesehen, dass eine Christine so sehr mit sich kämpft, das Phantom zurückzulassen, noch nie, dass sie zurückkommt und von einem Weinkrampf geschüttelt dessen Hand küsst, als sie ihm den Verlobungsring zurückgibt. Das war unglaublich toll gespielt! Auch die Reprise von "All I ask of you" sang diese Christine ganz offensichtlich nicht für Raoul, der sie halb hinter sich herziehen musste, sondern für das Phantom.
Ich weiß nicht, ob diese Christine einfach Sierras Rolleninterpretation ist, oder ob das doch auch etwas mit Blick auf Love never dies so vorgegeben wurde... die Fortsetzung wird durch diese Art Ende nämlich wesentlich nachvollziehbarer, als sie eigentlich ist!
Der Schlussapplaus hinterher war absolut euphorisch, vor allem Ramin und Sierra bekamen ohrenbetäubenden Applaus, es gab Standig Ovations, und als dann noch Andrew Lloyd Webber persönlich auf der Bühne erschien und eine Rede hielt (nachdem er das Publikum aufgefordert hatte, sich doch bitte hinzusetzen), gab es endgültig kein Halten mehr. Auch Cameron Mackintosh kam auf die Bühne, ebenso wie das Originalteam aus London von 1986. Dann sagte ALW seinen eigenen Angel of Music an, das sei noch immer Sarah Brightman, die erste Christine. Diese sang das Phantom-Titellied, unterstützt von verschiedenen Darstellern, die die Rolle schon verkörpert hatten. Unter anderem Colm Wilkinson und John Owen Jones. Auch Michael Crawford, das Originalphantom, betrat die Bühne und wurde frenetisch gefeiert. Er war so gerührt, dass er richtig herzzerreißend weinte. Aber da war er nicht der einzige, denn auch ALW liefen die Tränen nur so über die Wangen. Besonders schön war, wie dann schließlich das komplette Ensemble noch einmal gemeinsam "Music of the Night" sang.
Ganz am Ende stand Ramin nochmal allein am Bühnenrand und verbeugte sich, als von hinten plötzlich Sierra angeschossen kam und die Arme um ihn schlang. Damit hatte er offensichtlich gar nicht gerechnet. Nach einem ersten Schreck lachte er, und trug sie schließlich kurzerhand von der Bühne. Während er fast über ihr Kleid stolperte, war sie dazu dramatisch am Winken.
Insgesamt waren dies unglaublich tolle vier Tage in London! Sowohl "An Audience with Kerry Ellis" möchte ich auf keinen Fall missen, als auch die Tatsache, bei dieser tollen, besonderen Phantom-Vorstellung dabei gewesen zu sein! Alle beteiligten Darsteller haben ihren Teil dazu beigetragen, dass dies ein perfektes Wochenende war. Aber ganz besonders Ramin Karimloo, Sierra Boggess und natürlich the One and Only Kerry Ellis!