Dass spontane Aktionen die besten sind, bestätigte sich für mich mal wieder am 7. September 2012. Am Vorabend bekam ich das Angebot, eine Karte für Die Päpstin zu kriegen... und nur wenige Stunden später saß ich bereits im Zug nach Hameln, um mir das Stück mit drei anderen Mädels gemeinsam anzusehen.
Nachdem wir einige sehr schöne, lustige Stunden in der Stadt verbracht hatten, gingen wir schließlich auch schon in Richtung Theater. Unsere Plätze in dem sehr kleinen Saal waren in Reihe 5 in der Mitte, so hatten wir natürlich einen ausgezeichneten Blick auf die Bühne. Vor allem auch, weil jede neue Sitzreihe eine Stufe höher ist, als die davor.
Die Geschichte des Musicals kannte ich vorher nur bruchstückhaft und von der Musik nur zwei oder drei Lieder. Diese gefielen mir aber sehr gut und vor allem freute ich mich auch darauf, Sabrina Weckerlin mal wieder in einer Rolle zu erleben. Was die Besetzung anging, sahen wir an diesem Tag einige der Covers. So spielte an Stelle von Claus Dam z.B. Dennis Henschel den Aeskulapius und Leon van Leeuwenberg den Arsenius. Außerdem sahen wir in der Doppelrolle Thomas / Lothar Sascha Kurth. Als die junge Johanna und den jungen Johannes standen Sina Marie Dieckhoff und Daniel Leon Schicksnus auf der Bühne. Und ich sage eines gleich vorweg: Ich habe selten ein so durch und durch starkes, gutes, tolles Ensemble erlebt! Manchmal ist es ja so (gerade bei SE-Stücken, meiner Meinung nach), dass irgendwer dann zwei Sätze zu singen hat und man an der dünnen Stimme genau hört, warum dies so ist. Anders bei der Päpstin, hier war jeder einzelne nicht nur schauspielerisch und tänzerisch, sondern vor allem auch gesanglich überragend! Angefangen bei Johannas Eltern, über die Bösewichte und Kirchenväter, bis hin zu den Hauptrollen! Unglaublich gut! Und Sabrina... die hat mich wieder einmal ganz besonders aus dem Sitz gehauen. Ich finde ihre Stimme nicht nur wunderschön, sondern bewundere auch ihre Sicherheit und Kraft. Egal ob hoch oder tief, sie klingt immer toll. Auch mit Mathias hamonierte sie ausgezeichnet und das gemeinsame "Wehrlos" war für mich eines der Highlights im Stück. Aber auch "Das bin ich" und natürlich "Einsames Gewand" waren absolute Hammer von ihr! Und dazu kommt natürlich auch noch die überragende schauspielerische Leistung! Aber auch von Mathias war ich sehr angetan, mir war gar nicht so bewusst, was für eine kraftvolle Stimme er hat! Und dann gab es noch einen unendlich langen Schlusston bei "Hinter hohen Klostermauern" von Dietmar Ziegler, der mich sehr beeindruckt hat! Ganz besonders gut war auch der böse Anastasius, also Lutz Standop. Sehr beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit er die kräftigsten und längsten Töne hervorgeschmettert hat, vor allem bei "Zum Ruhme der Familie".
Unbedingt erwähnenswert ist auch das Bühnenbild! Wir reden hier von einem Stadttheater und ich finde es wirklich genial, was hier auf die Beine gestellt wurde! Es gibt eine sich drehende Kulisse, die praktisch die ganze Bühne ausfüllt. In Rom ist oftmals eine Treppe zu sehen, ansonsten alles, von der Hütte in Ingelheim, über ein nachgebautes Wasserwerk, einen Jahrmarkt und ein Gefängnis. Einfach nur toll und beeindruckend!
Der Ton war ok, zumindest störte es weniger als erwartet, dass die Musik vom Band kam. Aber die Stimmen hätten für meinen Geschmack doch etwas lauter eingestellt sein können...
Allgemein war ich nach dem 1. Akt noch nicht so sicher, wie das Musical mir gefällt. Zwar war ich bereits da begeistert von den Darstellern und fand auch die meisten Melodien sehr eingängig und schön, aber die Geschichte an sich fand ich teilweise etwas zu Schlag auf Schlag, vorhersehbar und vom Thema her noch nicht das, was mich großartig ansprechen würde. Ich setzte meine Hoffnungen also auf Akt 2 und wurde dort nicht enttäuscht. Die Geschichte nahm wirklich an Fahrt auf und da ich zum Großteil vermieden hatte, mich in irgendeiner Form mit dem Ende zu beschägtigen, war es für mich auch ziemlich spannend. Ich wusste zwar, wie es ganz am Ende bei den Hauptfiguren aussehen würde, jedoch nicht, wie all dies zu Stande kommt.
Dies erfuhr ich dann recht bald und war wirklich sehr berührt von allem. Zu Recht gab es am Ende bereits bei den ersten Ensemble-Mitgliedern im kompletten Theater Standing Ovations!
Nach der Show wurde erst einmal im Theater vom Ensemble Geld gesammelt und so kamen einige der Darsteller noch an uns vorbei und ich bedankte mich bei Dietmar Ziegler gleich mal für die tolle Show. Dann schauten wir nach kurzer Suche auch noch an der Stage Door vorbei, aus der Sabrina dann ein paar Minuten später kam und sich fast direkt zu uns gesellte. Sehr, sehr nett war sie, und nahm sich offensichtlich gerne die Zeit für Fotos und ein paar Danksagungen und Lob unsererseits!
Nun freute ich mich, dass ich das Musical nur wenige Tage später noch einmal würde sehen können!