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Es ist ja immer unterschiedlich. Mal entscheidet man sich spontan, eine bestimmte Show zu besuchen, wie z.B. Die Päpstin vor ein paar Wochen. Und dann gibt es wieder Events, da bunkert man die Karten fast ein Jahr im Voraus. So war es bei den Tickets für Helene Fischers Tour 2012. Am 28. September war es dann also nach Monaten des Wartens so weit und wir machten uns auf den Weg in eine nicht erwähnenswerte Stadt in Niedersachsen, um ihr neues Programm anzuschauen. Titel der Show war der gleiche, wie der ihres aktuellen Albums: "Für einen Tag".
Nachdem zahlreiche Unfälle mit damit verbundenen Staus umfahren waren und wir sogar nach Ewigkeiten einen Parkplatz in der Nähe der ausverkauften Volkswagen Halle ergatterten, konnte diese dann also geentert werden. Noch schnell das neue "Paradies"-Magazin erstanden und ab auf die Plätze, für die so mancher Fan wohl getötet hätte: Reihe 1, Mitte. Besser ging es kaum, wobei ich schon sagen muss, dass die Bühne eine ganz schöne Höhe hatte. Allerdings befanden sich darauf noch einige Aufbauten, sodass das Geschehen immer auch für uns noch gut zu sehen war. Und Helene stand meist auch ganz vorne.
Mit etwas Verspätung ging das Licht in der Halle aus und ohne großes Tamtam fuhr Helene aus dem Boden in der Bühnenmitte. Ich hatte es vorher vermieden, mir schon irgendetwas vom neuen Programm auf YouTube oder im Fernsehen anzusehen oder Berichte zu lesen, wurde also an diesem Abend komplett überrascht, was Ablauf und Liedauswahl anging.
Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie gleich mit einer Stimmungsnummer, irgendeinem Gassenhauer, beginnen würde. Doch dem war nicht so. Sie stand dort in ihrem gelben Kleid auf der Bühne, quasi "Allein im Licht" - und das war dann auch gleich der Eröffnungssong! Es begann ein wahres Blitzlichtgewitter und die Ordner hatten alle Hände voll zu tun, das irgendwie zu unterbinden. Fotografieren war nämlich zwar erlaubt, aber es wurde ganz klar darum gebeten, den Blitz auszustellen. Was einige wohl überforderte... Schon bei diesem ersten Lied standen mir aber die Haare an den Armen zu Berge und ich stellte wieder fest, was ich schon bei meinem ersten Helene-Liveerlebnis gedacht hatte: Die Frau singt perfekt! Bis auf einige Phrasierungen gab es hier einfach keinen Unterschied zur CD, sie ist stimmlich so unfassbar sicher!


Nach dieser doch recht ungewöhnlichen Eröffnung, es handelt sich ja eben um eine Ballade, ging dann doch erstmal die Post ab. Helene sang erst "Mitten im Paradies" und direkt im Anschluss "100 Prozent". Dabei scante sie auch wieder ganz genau die Reihen ab, wohl immer auf der Suche nach bekannten Gesichtern unter den Fans. Der Funke sprang allerdings noch nicht so ganz über, und wenn, dann war auf unseren Plätzen noch nicht allzu viel davon zu merken. Die Leute links neben mir waren nur mit ihren Kameras beschäftigt, während die auf der anderen Seite sich prächtig unterhielten. Es wurde zwar schon vereinzelt mitgeklatscht und -gesungen, aber wirklich ab ging es eben noch nicht. Dabei gab Helene sich wirklich Mühe und wechselte auch fleißig ihre Outfits. Die nächsten Songs waren dann "Villa in der Schlossallee", "Ich lebe jetzt und hier" und dann "Sehnsucht". Das ist ja eines ihrer Lieblingslieder, und auch das ihrer Eltern. Aus diesem Grund wohl sang sie es erst auf Deutsch, wie es auch auf dem Album vertreten ist, machte dann aber auf Russisch weiter! Dabei wurde die Schnelligkeit erhöht, was nun doch die ganze Halle zum Klatschen und Jubeln brachte!


Zwischendurch moderierte Helene natürlich auch etwas, immer sehr locker und sympathisch. Und nachdem dann eben gerade "Die Russen in the House" gewesen waren, kündigte sie an, diesen Abend als ein großes Musical zu sehen. Eine große, runde Geschichte, in der auch das Publikum ein Hauptdarsteller sei. Wir sollten einfach alle Emotionen rauslassen, mitmachen, tanzen, klatschen, weinen, was auch immer. Im Anschluss daran redete sie nun über das Thema Kindheit und davon, dass man sich diese doch schon öfter mal zurückwünschen würde. Klar war, dass dies die Anmoderation für "Für einen Tag" war, was sie dann folglich auch sang. Ich kann es nur nochmal sagen, das war einfach stimmliche Perfektion! So und nicht anders wünscht man sich das doch, wenn man einen Künstler live sieht, den man sonst hauptsächlich von CDs und aus dem Fernsehen kennt!
Im Anschluss folgten die ersten Songs, die sie sich von anderen Künstlern "lieh", bzw. in diesem Fall aus allseits bekannten Filmen. Sie startete mit einem wunder-, wunderschönen "Farbenspiel des Winds" aus Disneys Pocahontas und machte dann weiter mit dem Titellied aus Die Schöne und das Biest. Danach folgte der nächste Umzug für sie, ihre Tänzer zeigten derweil aber eine tolle Tanznummer mit Regenschirmene (fühlte mich etwas an Ghost erinnert) zu den Klängen von "Sweet Dreams are made for this". Gegen Ende kam auch Helene dazu und die Melodie ging nahtlos über in "Vergeben, vergessen und wieder vertrau'n".


Nachdem sie dann kurz Teile ihrer Band vorstellte, vor allem Christoph Papendieck, der als ihr musikalischer Leiter seit mittlerweile Jahren für die Musik auf ihren Tourneen und bei Auftritten verantwortlich ist, riet sie uns, jetzt mal "den Popo zu lüften". Auf Deutsch: Steht doch mal auf! Sie stimmte "Von hier bis unendlich" an, einen ihrer größten Hits, und bald stand wirklich die ganze Halle! Klatschte, sang, tanzte! So hatte ich mir das im Vorfeld vorgestellt, es machte richtig Spaß! Das einzige, was nicht so großen Spaß machte, war die offensichtlich betrunkene Männer-Gruppe die immer wieder "Ooooh Heleeeneeee"-Sprechchöre grölte. Während sie das erst noch ganz amüsant fand und sogar ihr eines In-Ear herausnahm, meinte sie später irgendwann schon, sie würde jetzt einfach mal versuchen, weiter zu machen...

Bei einem Helene-Konzert ist ja auch immer ein Musical-Block dabei und in diesem Jahr war Grease an der Reihe. Bei Weitem kein Favorit von mir, aber wie ich meine, eins der wenigen Musicals, die sie vor ihrem Durchbruch noch gespielt hat (oder?!). In engem Lederanzug startete sie mit "You're the One that I want". Dies ist natürlich ein Duett, also brauchte sie folglich einen Danny. Dies übernahm Cale Stanojevic, von dem ich gar nicht wusste, dass er auch noch singen kann! Allgemein dachte ich, dass ihre Tänzer komplett ausgetauscht worden waren, umso begeisterter war ich, als ich ihn (er ist schon immer mein Lieblingstänzer in ihrem Team gewesen) dann doch zu Beginn der Show auf der Bühne entdeckte! Wie gesagt folgte nun das bereits angesprochene Lied und wieder einmal bedauerte ich, dass Helene nicht wirklich mal Musical macht. Sie wär auch in diesem Bereich definitiv einer DER Stars der Branche! Wie sie singt, wie genial sie tanzt, wie sie beides gleichzeitig tut, scheinbar ohne die geringste Anstrengung. Einfach toll! Im Anschluss folgte ein weiterer Song aus Grease, der dann noch mehr auf Tanz ausgerichtet war, als auf Gesang. Wow wow wow! Hier zeigte sich Helene dann sogar wieder etwas akrobatisch, indem sie sich von ihren Tänzern durch die Gegend schleudern ließ. Auch das Publikum wurde einbezogen und ein kurzer Tanz einstudiert. Selbst ich raffte den recht schnell, was vielleicht auch mit daran lag, dass Helene dabei vielleicht zwei Meter vor mir stand und immer wieder guckte... da wollte ich mich natürlich nicht komplett lächerlich machen, sondern konzentrierte mich wirklich auf die Choreographie. So anspruchsvoll war sie aber natürlich auch nicht...


Nachdem zum Abschluss noch "Grease lightning" gesungen wurde, war erstmal Pause. Dies war meiner Meinung nach sehr ungünstig gelegt, da die Menge nun endlich begonnen hatte, zu kochen und es nun einen so harten Schnitt gab!

Nach der Pause gab es das altbekannte James Bond-Theme, im Hintergrund auf der Leinwand war das Intro zu sehen, nur dass es natürlich Helene war, die da als schwarzer Umriss lang lief und schließlich schoss. Sie selbst kam dann auch bald wieder auf die Bühne, in einem Hosenanzug und mit Zopf. So sang sie nun "Goldeneye" und tanzte dazu sexy-lasziv mit ihren Tänzerinnen.

"Nur wer den Wahnsinn liebt" folgte direkt im Anschluss und danach war erst einmal "Geschenkübergabe". Unzählige Personen, vor allem viele ältere Männer im Anzug, stürmten an die Bühne und überreichten ihr Blumensträuße, einzelne Rosen und andere Geschenke (Helene schüttelte und meinte, das würde nach Strumpfhose klingen. Könne sie aber gebrauchen). Ein kleines Mädchen reichte ihr ein bisschen offensichtlich selbst gepflücktes Unkraut nach oben und bekam ein Bussi als Dankeschön und ein Mann ließ sie wissen, dass er am Vortag Geburtstag hatte und wurde daraufhin spontan besungen (natürlich war es auch gleich allen anderen gewidmet, die in letzter Zeit Geburtstag hatten).


Nachdem Helene jedes einzelne Geschenk entgegengenommen hatte, sagte sie "Nicht von dieser Welt" an. Dieses Lied wird traditionsgemäß jedes Jahr, also für jede Tour, etwas verändert. Diesmal hatte es einen Latino-Stil bekommen und es wurde lateinamerikanisch dazu getanzt. Erst nur von Seiten der Tänzer und dann am Ende auch von Helene selbst. Mit "Das Karussell in meinem Bauch" unterhielten die Backgroundsängerinnen und Tänzer danach das Publikum, während Helene sich ein weiteres Mal umzog. In einem im Vergleich etwas altbacken wirkenden Kleid, offenen Haaren und Botten kam sie schließlich zurück auf die Bühne und es wurden etwas ruhigere Töne angestimmt. Auf Hockern im Halbkreis sitzend gaben sie und ihre Musiker nun "Hallelujah", "Du hast mein Herz berührt" und "Ich will spüren, dass ich lebe", bevor es mit "Ewig ist manchmal zu lang" schon wieder ein bisschen schneller wurde.


Und dann folgte das für mich ultimative Highlight des Konzerts: "I will always love you". Hier konnte Helene zeigen, dass sie nicht zu Unrecht als Deutschlands erfolgreichste Sängerin gilt, sondern diesen Titel zurecht trägt. Spontan fällt mir kaum jemand ein, der stimmlich auch nur ansatzweise mit ihr mithalten kann! Es war einfach umwerfend, was sie aus diesem Lied machte, mit was für einer unfassbaren Kraft sie sang und mühelos in die Höhen kam, wieder tiefer wurde, einfach alles herausschmetterte, was sie in sich hat. Sie ist unglaublich, genial, perfekt, in diesem Moment fehlten mir einfach jegliche Worte. Ich hatte nur einen Gedanken im Kopf: DU bist wirklich ein PHÄNOMEN!


Im Anschluss an diesen Hammer folgten nach ewigen Standing Ovations, lautstarkem Jubel und einer Helene, die sehr gerührt den Tränen nah war, eine kleine Rede von dieser, dass solche Momente wie gerade einer der Gründe seien, dass sie das was sie tut, so liebt.

Dann sprach sie davon, dass im Leben niemand allein zurechtkommt, also auf einen Copiloten angewiesen ist. Das war dann auch der nächste Song, "Copilot". Nach einer tollen Interpretation verschwand die Frau des Abends, um sich erneut umzuziehen und es startete eine spektakuläre Lasershow, die darin gipfelte, dass Helene ganz in silber und mit orangefarbener Sonnenbrille (die sich selbst später aus Versehen beim Tanzen halb von der Nase schlug) den Eurovision Songcontest-Gewinnersong "Euphoria" sang. Und wie... zu ihrer tollen Stimme und den Bewegungen kamen dann hier eben auch noch die Laser dazu. Sensationell gemacht war das!


Danach ging das Konzert schon seinem Ende entgegen. Mit "Ich will immer wieder dieses Fieber spür'n" packte Helene einen weiteren Superhit aus und die Fans stürmten plötzlich von allen Seiten zur Bühne. Dies tat der ohnehin mittlweile tollen Stimmung zusätzlich nochmal richtig gut und es wurde da vorne mit Frau Fischer und ihren Tänzern eine einzige große Party. Jeder sang mit, tanzte, klatschte, es hat einfach nur Spaß gemacht!

Es ging weiter mit "Phänomen", was ebenso vom Publikum mitgemacht wurde. Nur fuhr der groß angekündigte Kran irgendwie nur ein kleines Stück nach oben und blieb dann dort einfach stehen. Helene machte das Beste daraus, lief auf und ab, sprang herum und rutschte am Ende sogar lachend auf dem Hintern hinunter. Dann sang sie "Und morgen früh küss ich Dich wach", was im Grunde ja immer eins der letzten Lieder bei ihren Konzerten ist. Kennt jeder, kann jeder mitsingen, es ist einfach Party pur. So auch diesmal, es ging gleich noch ein bisschen mehr ab, wenn dies denn noch möglich war.


Danach sagte sie, sie würden jetzt etwas machen, was sie noch nie gemacht haben und hoffentlich auch nicht nochmal machen müssen. Bei "Phänomen" habe gerade ja nicht alles geklappt, wie geplant - also würde sie das jetzt einfach nochmal singen, wenn denn keiner was dagegen habe? Was für eine Frage... Und so kamen wir gleich nochmal in den Genuss des Songs, der sie selbst so treffend beschreibt. Diesmal fuhr der Kran aber einige Meter nach oben und dann nach vorne. Er drehte sich über den halben Zuschauerraum, teilweise ganz knapp über die Köpfe der Leute. Und Helene stand oben, tanzte, und ließ einfach nur richtig die Sau raus! Toll, dass wir dies im zweiten Versuch noch zu sehen bekamen!


Danach verließen sie und ihr Team die Bühne, nur um nach lauten "Zugabe"-Rufen noch einmal mit "Die Hölle morgen früh" zurückzukommen. Und so ging die Party weiter, Helene war oben nicht zu halten und die Fans unten ebensowenig. Sie stellte danach noch einzeln ihre Band und Tänzer vor und sang dann die letzte Strophe der Hölle einfach nochmal. Konnte sich wohl auch nicht so ganz trennen!
Als allerletzte Zugabe sang sie dann noch ein wunderschönes "Wär heut mein letzter Tag", eine ruhige Ballade mit starker Aussage, die die förmlich kochende Menge wieder ein bisschen abkühlte. Unter lautem Jubel, mit Blumen ohne Ende und strahlend verließ sie danach dann endgültig die Bühne.



Nach so einem Marathon von gut drei Stunden könnte man jetzt denken, dass die Künstlerin ihr Bett kaum erwarten kann. Dem war aber nicht so, denn nicht einmal eine Stunde nach Ende war Helene im Foyer anzutreffen und schrieb sich dann wohl noch bis nach 1 Uhr morgens die Finger wund. Ich hatte das Glück, nicht allzu lang warten zu müssen und recht am Anfang vor ihr zu stehen. Und kann dann jetzt auch sagen, dass sie nicht nur auf der Bühne in jeder Hinsicht perfekt ist, sondern auch eine richtig nette Person, die noch herumscherzte, jedem eine Widmung schrieb und mit mir sogar einen mini-Musicalsmalltalk führte, nachdem sie als "eigentlich ja auch Darstellerin" sogar in mein Buch "durfte"! Sehr, sehr, SEHR nett ist sie!



Allgemein: Dieses Konzert war wieder einmal eine Offenbarung! Eine Offenbarung an Entertainment auf höchstem Niveau, perfektem Gesang, Tanz und Programmführung. Gut, mir hätte es vielleicht besser gefallen, wenn sie auf den ein oder anderen Umzug verzichtet und sich stattdessen lieber etwas feiern lassen hätte, nachdem sie dieses oder jenes Lied beendete. Aber an ihr selbst und ihrem Team gibt es einfach nicht das Geringste auszusetzen.
Ich finde es schade, was in Deutschland nach wie vor für ein Schubladendenken herrscht. Wie viele Leute angewidert das Gesicht verziehen, wenn sie nur den Namen Helene Fischer hören. Es tut mir Leid, aber diese Leute haben einfach keine Ahnung. Sie leben in ihrer von Vorurteilen geprägten Welt und legen absolut keine Offenheit an den Tag. Ich verlange gar nicht, dass sie jedem gefallen muss! Aber jeder, der Helene mal gesehen hat, wird bestätigen, dass ihre Show einfach nicht mehr das Geringste mit altbackenem Schlager oder gar Musikantenstadl zu tun hat. Sie ist eine Entertainerin, wie sie im Buche steht. Klar singt sie auch noch Schlager, aber davon abgesehen gibt es in ihren Shows Pop, Rock, Musical, usw. usw. Die Deutschen sollten einfach mal stolz darauf sein, eine solche Ausnahmekünstlerin im eigenen Land zu haben!



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