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Zu einer Reise nach Wien gehört eigentlich ein Musical-Besuch fest dazu. Und so machten wir uns am 15. September 2012 in Richtung Künstlerhaus auf, um André Bauer zu "besuchen" und ihn als Gustav Klimt im gleichnamigen Stück anzusehen. Ich kannte es ja bereits von 2009 aus Gutenstein und war damals völlig begeistert von einigen Liedern und vor allem Andrés Darstellung gewesen.


Unsere Karten waren in Reihe 2 und da die Sitze direkt vor uns leer blieben, saßen wir dort absolut perfekt. Die Bühne ist allgemein nicht sehr hoch und durch den fehlenden Orchestergraben auch extrem nah an den Zuschauern. Da war die erste Reihe also ausnahmsweise mal gar nicht so erstrebenswert.
Der Ton kam folglich vom Band und war teilweise einer der sehr wenigen Kritikpunkte. Gerade bei den schnelleren Liedern waren durch die laute Musik die Texte nämlich oftmals nur noch undeutlich zu verstehen, gerade Harald Tauber war für meinen Geschmack viel zu laut eingestellt.
Was die Cast angeht, gab es hier ein Wiedersehen mit einigen "Gutensteinern". Allen voran natürlich André als Klimt, aber auch seine Emilie war mit Sabine Neibersch die gleiche, wie damals. Und auch Harald Tauber als Kolo Moser / alter Professor, sowie Lucius Wolter als Franz Matsch waren in der ersten Spielzeit schon dabei gewesen. Neu dabei war Linda Geider als Genius, Regina Mallinger als Helene Flöge, Anna Carina Buchegger in der Rolle der Mizzi Zimmermann und Georg Prohazka als Klimts Bruder Ernst. Und auch Dennis Kozeluh mischte wie in so vielen Wiener Musicals mit, diesmals als Kunstminister von Hartel. Was das Ensemble angeht, so meine ich, auch dort viele neue Gesichter entdeckt zu haben.


Eines gleich vorweg: Es war ein toller Abend! Das Musical ist so ganz anders, als die meisten anderen, die sonst so laufen. Es dreht sich halt alles um das Leben des Malers Klimt und hat somit nur eine wirkliche Hauptfigur, die von Freunden und Familie durch ein Leben begleitet wird, das von Erfolg, Misserfolg und Schicksalsschläge im Wechsel geprägt ist. Auf die Gründung einer eigenen Firma folgt der Tod des Bruders, auf Ablehnung und Missachtung in Wien der Gewinn des Kunstpreises bei der Weltausstellung in Paris und auf diesen Triumph wiederum der Tod des jüngsten Sohnes. Immer an der Seite Klimts ist über all die Jahre Emilie, seine einzig wahre Liebe, mit der er allerdings niemals zusammenkommt. Anders als Franz Matsch, der sich irgendwann von ihm abwendet, bleibt sie allerdings Zeit seines Lebens treu als Freundin an seiner Seite und unterstützt ihn. Diese besondere Beziehung wurde von André und Sabine auch in Wien wieder mehr als überzeugend gespielt. Beiden nimmt man die Anziehung vollkommen ab, genau wie das ständige Zurückhalten, um einander nicht vollends zu verfallen. Vor allem ihr Duett "Nur bei Dir" ist einfach wunderschön und zeigt, was sie einander wirklich bedeuten.
Schöne Lieder gibt es in diesem Musical jedenfalls einige, angefangen bei "Wie Leinwand und Farb'", über "Wie kann denn Gift so süß sein?" und "Nur Dich liebe ich wirklich", bis zu "So zu lieben". Highlight für mich war aber auch diesmal wieder Klimts Triumphsong "Oben, ganz oben" auf dem Eiffelturm. André hat eben nicht nur eine wunderschöne Stimme, wenn er Balladen singt, er kann sie auch lauter und mit allen möglichen Farben einsetzen und dabei noch auf einem Gerüst herumturnen. Aber ganz allgemein war dies eine wahre Glanzleistung von ihm. Während er in Rollen wie Frank Crawley, Franz Joseph oder Leopold Mozart ja eigentlich immer den netten Langweilier mit wenig Facetten gibt, konnte er sich hier wahrlich austoben. Am genialsten war sein Verzweiflungsanfall nach Ernsts Tod, aber auch seine lustigen Stellen brachte er wunderbar und mit Wiener Dialekt herüber. Stimmlich ist er eh immer ein Traum!

Nocheinmal Stichwort herumturnen, dies gelang seinem Genius Linda Geider wirklich gut. Sie tanzte einwandfrei und überzeugte mich auch stimmlich. Auch die neue Mizzi, Anna Carina Buchegger, gefiel mir sehr gut, wärend ich Barabara Obermeier damals als Helene besser fand, als die für mich etwas farblose Regina Mallinger. Gleiches gilt für Thomas Smolej damals als Ernst, auch ihn mochte ich irgendwie lieber als Georg Prohazka. Was ich gern noch erwähnen wollte, ist Lucius Wolters Schlusston in seinem einzigen Solo. Ich hatte gar nicht mehr im Kopf, was der Mann für Töne produzieren kann! Auch wenn ich sonst kein großer Fan von ihm bin, das war schon toll!

Das Bühnenbild ist zwar sehr spärlich, aber trotzdem absolut ausreichend. Die Darsteller sorgen meist selbst für den Umbau und es gibt sehr viele Projektionen mit Bildern Klimts. Wie gesagt, ich empfand dies als völlig den Gegebenheiten angemessen.
Der Zuschauerraum war ca. zu zwei Dritteln gefüllt und auch wenn während des Stücks einige Leute lieber redeten und mit ihren Handys spielten, so gab es dann beim Schlussapplaus doch von fast allen Standing Ovations. Klimt scheint also auch in Wien gut anzukommen, was die Produktion und die Darsteller meiner Meinung nach absolut verdient haben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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