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Am 1. Oktober machten wir uns auf nach London und irgendwie schien diese Reise unter keinem guten Stern zu stehen. Oder der Montag war unser ganz persönlicher Pechtag. Wie auch immer, es begann schon damit, dass Sierra Boggess am Morgen twitterte, dass sie am Abend nicht auf den Barrikaden bei Les Misérables zu sehen sein würde. Super, sie war ja auch nur der Grund, dass wir überhaupt Karten gekauft und die Reise einen Tag vorverlegt hatten... Weiter ging es damit, dass der Flieger Verspätung hatte und die Show am Abend somit auch für uns zumindest knapp werden würde. Und als dann endlich unsere Maschine ankam, traf mich endgültig der Schlag. Das war kein Flugzeug, das war bestenfalls ein Bus mit Flügeln! Betreten wurde das Teil dann zu Fuß über eine winzige, ausklappbare Treppe und im Innern konnte man noch nicht einmal aufrecht stehen. Knapp 50 Leute passten in dieses Gefährt und ich, eigentlich völlig Flugangst-frei, war echt im Begriff, da gleich wieder auszusteigen. Vor allem, als dann noch angekündigt wurde, dass man mit Turbulenzen rechnen würde und der Grund für die Verspätung das schlechte Wetter in London sei, von wo der Flieger eben gestartet war. Die Worte "London", "Flugzeug" und folglich "Ärmelkanal" schossen mir durch den Kopf... Jemma-Fans werden wissen, was ich meine...
Nun gut, ich blieb natürlich sitzen und flog nach London und offen gestanden war das einer der besten Flüge, die wir je hatten! Keine Spur von schlechtem Wetter oder Gewackel und dazu noch ein genialer Anflug über die Stadt auf Heathrow zu. Wir sahen alles, das London Eye, Big Ben, die Royal Albert Hall, das Wembley Stadion... einfach toll!!
Am Flughafen ging dann alles, vom ewigen Gelaufe abgesehen, verhältnismäßig schnell und mit unseren Koffern bepackt sprinteten wir zur Bushaltestelle, von der aus unser Transfer zur Victoria Station stattfinden sollte. Noch waren wir zumindest einigermaßen in der Zeit und konnten mit einem schnellen Taxi vielleicht gerade so den Beginn von Les Mis noch erreichen. Hätten wir... wenn wir nicht mittlerweile drei Busse verpasst hätten und der vierte dann erst eine gute Stunde später fuhr. Somit war klar, dass wir bei 50 Minuten Fahrzeit nicht rechtzeitig im Queen's Theatre sein würden. Schöne Sch.... und das erste Mal, dass uns sowas passierte. Also überlegten wir, ob wir wohl spontan Karten für Kerrys erstes Konzert dieser Woche bekommen würden, sie fing ja erst um 20 Uhr an. Doch auch das schafften wir dann nicht.
Endlich im Hotel angekommen, packten wir in Ruhe unsere Sachen aus und beschlossen dann, doch noch zum zweiten Akt zu Les Mis zu fahren. So teure Karten kann man nicht einfach verfallen lassen, oder?
Gedacht, getan. Die Stadt war um diese Uhrzeit mal angenehm leer und so standen wir bald im Foyer, schilderten peinlich berührt unser Problem, bekamen unsere Karten (wenn man die schonmal hinterlegen statt zuschicken lässt...) und wurden von allen Mitarbeitern ausgiebig bemitleidet. Gut, wir konnten ja auch nichts für die Verspätung! Der Akt sollte noch etwa 20 Minuten laufen und nachdem erstmal im Foyer der Ton des Monitors schön laut gestellt wurde und wir da verfolgen konnten, was auf der Bühne gerade passiert, wurden wir dann doch noch zum Saal gebracht und sollten in der nächsten Klatschpause hinein huschen. Im Saal stellten wir allerdings fest, dass dieser ausverkauft war und verzichteten dann lieber drauf, uns mit Taschenlampen in die erste Reihe, Mitte bringen zu lassen. Wir stellten uns lieber ganz hinten an die Wand und hatten auch da einen tollen Blick auf die Bühne. Ich wusste gar nicht, wie klein das Theater ist, hätte es mir viel größer vorgestellt! Das erste komplette Lied, das wir mitbekamen, war dann "A Heart full of Love" und kurz darauf kam dann schon "One Day more". Was ja eigentlich schon als Highlight bezeichnet werden kann. So schön war das!!! Gänsehaut am ganzen Körper, obwohl wir ja gar nicht in der Story oder allgemein im Stück drin waren. Toll, dass wir dieses Lied noch mitbekommen haben!
Dann war Pause und wir kauften erstmal ein Programmheft und warfen einen Blick auf die Casttafel:



Nicht nur Sierra off also, sondern auch Danielle Hope, die die Eponine spielt, sowie Enjolras Liam Tamne. Aber Sarah Lark stand auf der Tafel, ich hatte im Vorfeld gedacht, sie sei gar nicht mehr dabei. Entsprechend freute ich mich natürlich, denn Sarah ist seit mittlerweile Jahren eine meiner Lieblingsdarstellerinnen, ohne dass ich sie jemals live gesehen hatte. Sehr ungewöhnlich für mich, da mich normalerweise Leute auf der Bühne begeistern und ich danach erst ein bisschen auf YouTube etc. "recherchiere". Sarah kannte ich allerdings von der Oliver!-Castingshow "I'd do anything" und dort war sie mein absoluter Liebling. Mehrere Versuche sie live zu sehen scheiterten dann aus unterschiedlichen Gründen und nun stand da endlich ihr Name! Doch kein Pechtag vielleicht?

Überpünktlich gingen wir dann zurück in den Saal, verscheuchten die Leute von unseren Plätzen, die wohl dachten, es käme niemand mehr und warteten auf Akt zwei.
Und der war so toll! Ich war total erstaunt, wie viele Lieder aus Les Mis ich eigentlich kenne!! Das Stück selbst hatte ich vorher noch nie gesehen, aber die Songs kannte ich fast alle von verschiedenen Konzerten oder sonstigen Anlässen. Und ich war von der ersten Minute an total berührt, sei es bei den Todesszenen von Gavroche und vor allem auch Eponine, oder aber auch ganz allgemein, als dann der letzte große Kampf um ist und man sieht, was aus den Studenten geworden ist. Dass sie wirklich alle tot sind und mehr oder weniger verrenkt auf ihrer Barrikade hängen. Furchtbar! Oder auch das Ende, als dann Fantine noch einmal erscheint, um Valjean abzuholen. Und die Trauer von Cosette und Marius, als er dann eben stirbt. Toll gespielt von den Darstellern und vor allem waren die alle stimmlich wieder so bärenstark. Ich liebe ja immer diese langen, lauten Töne und bei Les Misérables gibt es die wirklich en masse! Und Sarah sah ich auch ständig unter den Darstellern, auch wenn sie leider nur eine einzige Zeile zu singen hatte...
Tam Mutu als Javert fand ich total klasse, vor allem diesen endlosen Ton bei seinem Selbstmord. Wer mich von allen aber mit Abstand am meisten umgehauen hat, war Gerónimo Rauch als Jean Valjean! Was hat der Mann denn für eine unfassbare Stimme?? Sein "Bring him Home" war alles, aber nicht von dieser Welt! Unfassbar, ich war am Ende so fasziniert von seiner Stimme, dass ich kaum klatschen konnte! Ein großer Theater-Moment, das ist sicher!
Am Ende der Show gab es auch sehr verdient im ganzen Theater Standing Ovations, was in London ja nicht unbedingt normal ist. Aber bei dieser Ensemble-Leistung konnte man kaum anders!

Hinterher machten wir uns auf zur SD und als wir sie gefunden hatten, stand Sarah schon mit einer Kollegin davor und war gerade im Begriff zu gehen. Ich sprach sie dann an und sie war wirklich extrem nett! Wir unterhielten uns eine ganze Weile, sie schrieb in mein Buch, machte ein Bild mit mir und ich war froh, dass wir doch noch die zweite Hälfte des Musicals gesehen und sie somit getroffen hatten!

Kurz nachdem sie sich verabschiedet hatte, kam auch Tam heraus und auch er war sehr freundlich. Von ihm erfuhr ich dann auch, dass Sierra erst am Mittwoch zurück sein würde. Nachdem wir noch auf Gerónimo gewartet hatten, der ebenfalls total nett war und uns wie vorher schon Sarah für das Verpassen des ersten Akts bedauerte (was fragen die auch immer gleich, wie es gefallen hat?), machten wir uns nach einem doch noch recht schönen Abend auf zurück zum Hotel.

Der nächste Tag war überhaupt nicht verplant und somit sehr entspannt und am Abend war unser Ziel das Piccadilly Theatre, um dort Ghost zu sehen. Es war sehr schön, mal wieder in diesem kleinen Theater zu sitzen, immerhin habe ich damals in 2005 dort mein erstes Musical gesehen!

Ghost war eines, das mich eigentlich schon seit der Premiere gereizt hat. Gerade in den letzten Monaten ist die CD bei mir rauf und runter gelaufen und genau deshalb war ich nun auch etwas skeptisch. Ich hatte halt die Musik dieser Aufnahme im Kopf, und somit Caissie Levy und Richard Fleeshman. Und beide sind ja schon lange in London nicht mehr dabei. Mark Evans, den neuen Sam, kannte ich schon aus Wicked, während ich von der Molly, Siobhan Dillon, vorher noch nie was gehört hatte. Dafür aber über beide im Internet in diversen Foren von einigen eingefleischten Fans eher Negatives...
Ghost ist eines jener Musicals, bei denen mir schon beim Hören einiger Lieder die Tränen kommen, also ohne das Geschehen dazu zu sehen. Dass mir das aber auch passiert, wenn ich nur die Bilder draußen am Theater angucke... das war neu! Ich stellte mich also auf einen emotionalen Abend ein, und das wurde er auch!
Wir saßen wieder in der ersten Reihe, was aber bei den vielen Projektionen etc. vielleicht gar nicht so ratsam war. Andererseits bekommt man wohl von nirgends sonst das tolle Spiel der Darsteller so hautnah mit. Der Ton war gerade in der ersten Hälfte auch nicht so super, bzw. war er bei einigen Songs so laut, dass einem fast das Trommelfell geplatzt ist. Aber abgesehen davon war das Musical einfach nur toll! Die Effekte sind der Wahnsinn, ob es nun der super gelöste Übergang vom Menschen zum Geist ist, Sam, der durch eine geschlossene Tür geht, oder auch der Brief, der sich in Mollys Hand von allein zusammenfaltet. Das war echt großes Kino!
Was die Darsteller angeht, so war Siobhan für mich die Entdeckung des Abends. Das erste "WOW!" dachte ich schon, als sie die ersten Zeilen von "Here right now" gesungen hat. Was für eine tolle Stimme und was für eine schauspielerische Leistung! Bei "With you" hat sie z.B. nicht nur toll gesungen, sondern vor allem ihrer Stimme so viele Emotionen gegeben, dass man quasi gehört hat, wie unendlich traurig sie ist. Sie hat total verweint geklungen, aber trotzdem noch kräftig. Allgemein kann ich nur den Hut vor jeder Molly-Darstellerin ziehen, die das so hinbekommt! Diese Figur ist ja eigentlich ab Mitte des ersten Akts nur noch verzweifelt und traurig, das muss unglaublich an einem selbst als Menschen zehren, kann ich mir vorstellen. Also man muss wirklich in der Lage sein, da direkt nach der Show wieder umzuswitchen, sonst wird man wohl wirklich schwermütig nach ner Zeit!
Supertoll war auch Siobhans Solo "Nothing stops another Day" und vor allem "Rain / Hold on". Während sie da alle Töne so gesungen hat, wie Caissie auf der CD, hat Mark sich um fast jeden herumgemogelt. Weder hat er so hoch gesungen, wie Richard, noch diese ganzen Schlenker. Er mag ja eine tolle Stimme haben, aber wirklich umgehauen hat er mich nicht. Also er war gut, aber für mich auch nicht mehr. Auch zwischen ihm und Siobhan habe ich keine so bedingungslose Liebe gespürt, wie sie zwischen Sam und Molly ja eigentlich existiert. Das war für mich eine normale Beziehung und ich habe auch beiden ihre Liebe und Trauer abgenommen, aber es kam für mich nicht heraus, dass dies nun wirklich für beide DIE ultimative Liebe ist, die sie niemals wieder so finden würden. Und das ging auch eher von Mark aus, der in bestimmten Szenen einfach etwas unterkühlt gewirkt hat, während ich Richard seine Gefühle allein von der CD (eine Studio-Castaufnahme!) und den paar Ausschnitten die ich kenne, abnehme.
Total überzeugt hat mich dafür Sharon D. Clarke, in der Rolle der Oda Mae Brown. Vorher hatte es mir noch vor ihren Szenen gegraut, weil ich sowas pseudo-witziges erwartet hatte, quasi zur Auflockerung. Auflockerung war es ganz sicher auch, ohne diese Stellen wär die Show wohl kaum zu ertragen. Aber pseudo war es nicht, es war einfach zum Brüllen komisch, was diese Frau da gezeigt hat! So witzig, diese ganze Mimik und Gestik, die Pointen kamen punktgenau und selbst in eigentlich sehr traurigen Szenen konnte man dann doch auch mal herzlich lachen!
Andrew Langtree als Carl fand ich auch sehr gut, er klingt ja im Grunde fast wie auf der CD! Allerdings war er definitiv erkältet, gerade zum Ende des ersten Akts versagte ihm mehrmals die Stimme. Und das nicht nur beim Singen, sondern schon beim normalen Reden! Wahrscheinlich wollte einfach niemand in der Cast die letzte Woche vor der Derniere am Wochenende verpassen und somit wurde dann eben auch gespielt, wenn man eher ins Bett gehört hätte.
Witzig in Bezug auf Carl fand ich den feinen Humor. In seinem Büro bei der Bank gab es so viele kleine Details, die einfach nur lustig und liebevoll gemacht waren. Am besten gefallen hat mir da ein Foto von Carl mit Obama. Als ob ein relativ kleiner Banker ein solches Foto in seinem Regal stehen haben würde! Fand ich total klasse!
Insgesamt war es ein toller und dann natürlich auch tränenreicher Abend, der noch besser gewesen wäre, wenn der Ton gestimmt und die Mädels neben mir nicht so viel rumgequatscht hätten. Aber Ghost ist trotz ein paar Längen ein wirklich tolles Musical und ich verstehe absolut nicht, warum es sowohl in London als auch in New York gefloppt ist. Es hätte eine viel längere Spielzeit verdient gehabt!
Hinterher an der SD war mal einiges los und nach einem Foto mit Siobhan (die die Masse erst einmal gar nicht erkannte und die glaube ich die hübscheste Darstellerin ist, die ich je gesehen hab) fuhren wir dann zurück ins Hotel um uns für den nächsten langen Tag auszuschlafen.



Am Mittwoch wollten wir uns eigentlich morgens gleich für Wicked-Day Seats anstellen. Das ist ja zum einen fast schon Tradition geworden, zum anderen freute ich mich diesmal ganz besonders drauf, weil Gina Beck ja gerade Glinda spielt und ich sie total gern mag und unbedingt in der Rolle sehen wollte. Allerdings stand es auch zur Debatte, noch einmal Les Misérables zu gucken, das wir ja jetzt nur halb kannten, auch genial fanden und nun doch noch einmal mit Sierra würden sehen können. Und mit Sarah. Und Tam. Und Gerónimo... Vor allem wird zumindest Sierra im Januar wieder weg sein, während Rachel Tucker eh off war und Gina noch eine ganze Weile durch Oz schweben dürfte. Hoffentlich. Diese Überlegung gab schließlich den Ausschlag und wir gingen nun doch noch einmal in Les Mis, statt in Wicked.
Die Plätze waren toll, Reihe 7, genau in der Mitte. Somit schon bessere Sicht, als am ersten Abend. Die war auch toll, aber im Queen's Theatre ist die Bühne recht hoch, also die Füße konnte man da nicht sehen...
Vorher trafen wir dann sogar noch Sierra und ich konnte sogar eine Weile mit ihr reden. Nett ist sie!

Darauf wurde ich dann an der Garderobe vom Theater-Mitarbeiter gleich angesprochen. Der hatte uns da wohl stehen sehen und schwärmte mir in den höchsten Tönen von ihr vor. Sie sei immer zu 100% in ihrer Rolle, würde echt alles geben, so toll singen, so nett sein, er sei ihr größter Fan! Das war echt niedlich!

Die Vorstellung war dann wirklich spitzenmäßig! Ich habe selten so oft Gänsehaut gehabt, wie in diesem Musical! Es wird zwar sicher keines meiner Favoriten werden, aber trotzdem, es ist einfach toll! Diesmal spielten auch die beiden Erstbesetzungen von Eponine und Enjolras, dafür war diesmal der Marius nicht dabei. Und während ich bei den ersten beiden nicht sagen kann, wer mir nun besser gefallen hat, fehlte mir die Erstbesetzung da schon etwas. Gerónimo war dafür wieder umwerfend und auch Tam gefiel mir super. Genau wie die beiden Thénardiers! Beide total witzig!

Und Sierra... naja, ich sag es ganz ehrlich, umgehauen hat sie mich jetzt nicht. Ich mag sie ja supergerne und vor allem auch ihre Stimme, aber in diesem Stück habe ich eher Christine gehört, als Fantine. Sie hat ja nicht so viel zu singen und als die ersten Sätze von ihr zu hören waren, war ich noch total hin und weg. Das klang alles so weich und schön. Auch ihr Teil ganz am Ende war wirklich toll. Aber ihre eine große Nummer, "I dreamed a Dream"... ja... das war mir einfach viel zu viel Vibrato in der Stimme, gefiel mir nicht wirklich. Schade, da sie schauspielerisch auf ganzer Linie überzeugen konnte. Ihre Fantine tat mir total Leid, ihr so bei ihrem Absturz zuzusehen war schon furchtbar. Zumal sie ja mehr oder weniger unverschuldet in diese Situation gerät und niemanden hat, der in irgendeiner Form für sie einsteht. Sie opfert am Ende alles für ihre Tochter und bezahlt das mit ihrer Gesundheit und dann ihrem Leben. Wie gesagt, schauspielerisch war das eine absolut tolle Leistung von Sierra!
Und was mich am ersten Akt besonders freute, war, dass zu Sarahs Satz im zweiten Akt nun noch ein paar hinzu kamen. Schade aber, dass sie nicht mehr singt, sie hat sooo eine tolle Stimme! Ich hoffe, sie irgendwann einmal in einer großen Rolle sehen zu können. Bei ihr hätte ich mich damals sogar gefreut, sie als Nancy zu sehen, in Oliver!

Nach der Show trafen wir sie noch einmal und unterhielten uns wieder etwas. Sie ist so nett und es war dann schon so, als würden wir uns ewig kennen! Sie erkundigte sich, wie denn Ghost war, wir redeten noch allgemein darüber und über die letzten Tage und sie hoffte dann, dass wir uns mal wieder sehen und wünschte viel Spaß bei Kerry. Und da ging es dann auch hin, nachdem noch Tam grüßend und fröhlich winkend vorbei gekommen war.
Kerrys Konzerte in dieser Woche fanden im neu gemachten Hippodrome Casino statt, Eintritt erst ab 21 Jahren. Ich sehe definitiv zu jung aus, wurde doch nicht nur mein Ausweis kontrolliert, sondern ich auch von jedem Mitarbeiter aufs Neue gefragt, wie alt ich denn sei...

Das Konzert fand dann in einem extra-Raum statt. Alles sehr klein und vollgestellt mit Vierertischen. Diese ware nummeriert und wurden somit zugewiesen. Wir bekamen den wohl besten (das Glück war zurückgekehrt...) genau an der Bühne. Also ich war ja schon öfter nah dran, aber SO nah wohl noch nie. Die Bühne war überhaupt nicht hoch und somit stand Kerry quasi den ganzen Auftritt über neben uns!



Sie war zusammen mit ihrem Musicaldirector Craig Adams gekommen, der am Klavier saß. Außerdem hatte sie zwei Backgroundsängerinnen dabei, auch beide West End-Darstellerinnen und noch drei weitere Musiker an Gitarren und am Schlagzeug.
Pünktlich um 8 begann die Show mit "Rolling in the Deep". Und ich war sofort wieder "verliebt". Kerry ist einfach mein Liebling in allen Belangen, immer gewesen. Sie ist perfekt in allem was sie tut und vor allem kann sie einfach auch alles singen. Und diese ganze tolle Ausstrahlung dazu, die witzigen Tanzeinlagen und Moderationen! Sie begrüßte nach dem Song auf Kerry-typische Art das Publikum, kündigte einen Abend mit ihren Lieblingsliedern und wichtigen Musical-Songs an und forderte uns dann auf, uns einfach nach hinten zu lehnen und zu entspannen.
Weiter ging es mit der schönen, neu arrangierten Version von "I could have danced all Night", die ich schon von den Konzerten letztes Jahr im Shaw Theatre kannte. Dann sang sie "On the Street where you live", ein Lied, das eigentlich von einem Mann gesungen wird und das sie somit niemals in der Show (auch My fair Lady) singen können wird. Aber genau für sowas war der Abend ja auch da!
Danach machte sie sich erstmal auf die Suche nach einer Wasserflasche und wurde dann auch bald fündig. Beobachtet von ca. 180 Augenpaaren nahm sie nun einen Schluck und kommentierte diesen mit "Glamorous, isn't it?". Und meinte dann, sie hätte im Vorfeld gesagt, sie sollten es irgendwo hinstellen, nur könne sie es jetzt nie finden... "the water!". Daraufhin brach ihre Band und dann auch das Publikum in schallendes Gelächter aus und Kerry meinte, bis zu diesem Abend sei alles so stilvoll gewesen, warum das gerade den Bach runter gehen würde?
Das nächste Lied war "Losing my Mind" und Kerry meinte, noch sei die dafür zu jung, aber wie gesagt, für sowas sind solche Konzerte ja immer gut! Man kann auch mal das singen, was in der Show eben ausgeschlossen wäre.
Danach sang sie zwei Songs aus einem Musical, das sie gern mal spielen würde, nämlich Tell me on a Sunday. Den ersten kannte ich nicht und weiß auch nicht, wie er heißt. Er hatte aber einige mega-lange Töne, die Kerry gewohnt locker und endlos sang. Sie ist so hammer-, hammergut!! Und das zweite war der gleichnamige Titel, also halt "Tell me on a Sunday".
Sie erzählte dann, wie sie als Teenager mit ihren Eltern in einem Musical saß und da und dort beschloss, dass dies allein das ist, was sie später einmal machen möchte. Und wenn sie links hinten stünde und nur einmal die Woche auf die Bühne dürfe, das hier sei ihr Traumjob. Und dieses Musical war halt Les Misérables. Kerry stolperte dann etwas über den Titel und meinte, das sei der Grund dafür, dass alle nur Les Mis sagen. Den eigentlichen Titel könne einfach niemand aussprechen! Dann hat sie etwas von den Dreharbeiten für den Film erzählt. Sie habe viel gesessen... Kekse gefuttert... Filmstars vorbeigehen sehen... aber toll sei es trotzdem gewesen! Anschließend erzählte sie auch ein bisschen von ihrer Zeit als Nancy bei Oliver! und kündigte somit die nächsten zwei Titel an. Erstmal war "Who will buy?" dran, aber ganz neu arrangiert. Es war soooo schön, diesen Titel mal wieder zu hören, weil ich mit diesem Musical eine so tolle Zeit verbinde und Kerry damals ja menschlich erst so richtig kennen gelernt hab. Und dann folgte "I dreamed a Dream"... Für mich das zweite Mal an diesem Tag, aber das erste Mal so, wie ich es liebe. Kerry sang einfach zum Hinknien, mit einer wahnsinnigen Wärme, aber auch Kraft in der Stimme. Es gefiel mir einfach in jeder Hinsicht besser als die Version, die ich am Nachmittag noch von Sierra gehört hatte!
Nach diesen Songs stellte Kerry erst einmal einzeln die Bandmitglieder vor und wunderte sich, dass alle immer nur so lange laut sind, bis sie dann vorgestellt werden und die volle Aufmerksamkeit des Publikums bekommen. Da wären sie dann immer schüchtern. Dann vergaß sie erstmal den Namen eines der Instrumente und ließ sich da vom entsprechenden Musiker aushelfen. Es sei halt einfach ein "Clingety cling-thing", meinte sie.
Im Anschluss sang sie erst "Teenage Dream" und dann mit nahtlosem Übergang "The One that got away". Beides von Katy Perry. Lustig war, wie sie bei der Zeile "We got matching tattoos" mit ihrem Fuß herumwackelte, auf dem sie das Stern-Tattoo hat. Und übrigens... ist "Believe" auf ihrem linken Fuß neu, oder hab ich vergessen, dass sie das hat?
Jedenfalls sagte sie danach ihren Gast für diesen Abend an. Das sei jemand, mit dem sie schon ewig nicht mehr gesungen habe, an die vier Jahre, aber vielleicht würde einigen hier ja der Name Wicked was sagen? Haha. Da habe sie mit ihm zusammen gespielt! Im Moment sei er gerade mitten in den Proben für We will rock you: Oliver Tompsett!
Ich hatte mich im Vorfeld schon total gefreut, Oli endlich mal wieder zu sehen. Er war damals mein erster Fiyero (mit Kerry als Elphaba!) und ist bis heute mein Liebling in der Rolle. Die beiden quatschten dann auf der Bühne noch etwas und an Kerrys Strahlen konnte man gut ablesen, wie sehr sie sich freute, ihn dabei zu haben. Sie stellte dann fest, dass er beim Friseur gewesen sei und er meinte ja, in den letzten vier Jahren habe er auch das getan. Und jetzt nach Rock of Ages eben auch, denn als seine Haare länger waren, als die seiner Frau, habe schon irgendwas nicht gestimmt.
Gemeinsam sangen die beiden dann "If you could know", ein Lied aus einem von Craig Adams geschriebenem Musical. Und es ist Wahnsinn, wie diese beiden Stimmen harmonieren. Das klingt einfach toll zusammen, niemand übertönt den anderen, beide sind noch super zu hören und geben dazu noch der Stimme des jeweils anderen eine richtig tolle Farbe. Das war damals bei Wicked schon einmalig und ist es bis heute!
An Wicked erinnerte Kerry dann auch nochmal. Es gab wohl eine Vorstellung, wo die beiden "the Giggles" hatten und durch "As long as you're mine" nur am Kichern waren. Sie meinte, das war unendlich unprofessionell und das Publikum habe das auch gar nicht lustig gefunden. Seitdem habe sie sich geschworen, dass ihr sowas nie nie nie wieder passieren wird. Aber es erinnere sie noch heute an Wicked mit Oli!
Dieser setzte sich dann einfach mitten ins Publikum und verfolgte von da den Rest des Konzerts.
Kerry sang dann erst ein Lied, das ich nicht kannte ("Give me Love"?) bevor sie versuchte, einen an den anderen Abenden so toll ausgedachten Bogen zu spannen. Während sie das folgende Musical an den anderen Abenden das erste Mal ansprach, hatte sie diesmal durch Oli schon so viel von dieser Show geredet, dass sie dann einfach meinte:  "So... I was in Wicked..." Sie erzählte von ihrer Zeit am Broadway, wie sie das Empire State Building grün anleuchten durfte, dass sie so viele tolle Auftritte mit Brian und "Defying Gravity" hatte, von ihrer ersten CD "Wicked in Rock" und halt auch davon, dass es mittlerweile auch ruhigere Arrangements gäbe. Und dieses sang sie dann, das "Defying Gravity" in Balladenform, das ich auch schon vom letzten Jahr kannte. So schön war das wieder... Elphaba ist für mich schlicht und ergreifend Kerrys Rolle, nach wie vor! Da wird für mich niemals jemand ranreichen!
Der letzte Song im Programm war dann "Paparazzi" von Lady Gaga. Anschließend gab es aber so lauten Jubel und Applaus, dass sie natürlich noch für eine Zugabe zurückkam. Bei beiden Liedern kenne ich den richtigen Titel nicht, könnte aber "I'm on the Edge of Glory" sein, und "Don't you remember?".
Danach war das Konzert zu Ende. Fast zwei Stunden Kerry pur, ohne Pause, einfach nur Genießen ihrer Weltklasse-Stimme! Sie ist so überragend... ich werd da sicherlich nie genug von bekommen!

Hinterher standen alle noch im Foyer des Casinos herum, tranken die Getränke aus und Kerry kam dann nach nichtmal fünf Minuten einfach so dazu, mittlerweile wieder in Privatklamotten. Erst redete sie mit zwei anderen Fans und sah uns dann. Woraufhin sie losrannte und mir mit Anlauf in die Arme flog! Nach einer sehr knuddeligen Begrüßung unterhielten wir uns noch eine ganze Weile, endlich gab es dazu mal wieder richtig entspannt Gelegenheit! Ich hatte vorher gar nicht damit gerechnet, sie nach dem Konzert überhaupt noch zu sehen und freute mich somit umso mehr darüber, wie das alles lief. Und so toll begrüßt wurde ich auch noch nie! Nachdem wir uns ausgiebig ausgetauscht hatten, machte ich auch mit Oli noch ein Foto und dann ging es für uns zurück zum Hotel.

Und unser Hotel ist ja eben fast genau neben dem Apollo Victoria Theatre, wo gerade Wicked zu Ende war! Und so kam ich doch noch zu einem Foto mit Gina Beck! Wenn ich sie schon nicht als Glinda sehen konnte, dann doch wenigstens das! Und sie war auch seeehr nett! Neben uns stand eine ganze Gruppe Fans, die alle am Weinen waren, weil Nikki Davis Jones soeben ihre Derniere als Elphaba gehabt hatte. Und Gina hat sich ganz lange Zeit genommen, getröstet und umarmt. Das fand ich mehr als sympathisch!



Ja, und so war die Reise nach London dann auch viel zu schnell wieder vorbei. Aber nach diesem Horror-Beginn kann ich nur sagen, dass es wirklich noch wunderschön geworden ist und ich sogar viel mehr bekommen, bzw. erlebt habe, als ich vorher dachte. Kerry war natürlich der Höhepunkt, ihr Konzert und vor allem das Treffen hinterher. Aber auch Sarah endlich mal gesehen und so nett gesprochen zu haben, dann auch Siobhan, Gerónimo, Tam, natürlich Sierra und am Ende noch Gina... das war toll! Gerne wieder!

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