Am 8. Juni ging es erneut in die Schweiz, ein weiterer Besuch auf Manderley stand an!
Allerdings würde dieser etwas anders werden, als die vorherigen. Wegen eines Virus' fiel nicht nur Thomas Borchert aus, auch Isabel Dörfler musste in letzter Minute ersetzt werden. Und während es mit Florian Fetterle ja eine Maxim-Zweitbesetzung gibt, galt es nun, eine geeignete van Hopper aufzutreiben. Was lag da näher, als einfach mal bei Carin Filipcic anzufragen, die in der zweiten Saison ja ohnehin zu ihrer Paraderolle zurückkehren wird? Das Problem war nur, dass Carin seit der Derniere in Wien nicht mehr "gehoppert" hatte. Für sie stand also vorher Hardcoreproben auf dem Tagesplan!
Ich selbst verbrachte die Zeit bis zur Show quasi zwischen St. Gallen und Zürich, hatte einen tollen Tag, und machte mich dann abends gespannt auf ins Theater.
Vor Vorstellungsbeginn gab es eine kleine Ansprache bezüglich der veränderten Besetzung. Da Florian als Maxim auf der Bühne stand, übernahm Tim Reichwein seine eigentliche Rolle als Giles und um das Ensemble aufzufüllen, wurde zusätzlich noch ein Kollege aus Stuttgart dazu geholt. Die Stimmung im Zuschauerraum war zweigeteilt. Um uns herum saß eine ganze Horde an Borchert-Fans, die natürlich wenig begeistert waren, ihn nun nicht zu sehen. Allerdings gab es für Carin schon bei der Ansage einen riesigen Applaus, offensichtlich war sie allen aus Wien nur allzu gut bekannt!
So begann dann also die Vorstellung und schon bei den ersten Zeilen von "Ich hab geträumt von Manderley" konnte ich nichst anderes mehr tun, als Lisas Stimme anzubeten. Es ist unglaublich, wie unendlich schön man dieses Lied singen kann. Und auch die nachfolgenden, sei es nun "Zeit in einer Flasche" (was sie für meinen Geschmack noch etwas mehr hätte schmettern können), "Hilf mir durch die Nacht" oder "Heut Nacht verzauber ich die Welt". Auch die Duette mit Maya und Kerstin im zweiten Akt waren wieder einmal genial. Sie ist und bleibt für mich die 100%ig beste Ich-Besetzung ever!
"Etwas" weniger begeistert war ich von Florian Fetterle. Optisch ist er schon einmal überhaupt gar kein Maxim, da er einfach viel zu jung ist. 10 Jahre drauf, und man kann sich noch einmal drüber unterhalten, aber so hatte er überhaupt nichts von dieser Figur an sich, weder den Stolz, noch die Autorität, noch das Mysteriöse. Stimmlich fand ich ihn gut, aber oft zu verhalten. Dass er im Grunde die Stimme für den Part hat, zeigte er nur an einzelnen Stellen, wie z.B. einem toll und kräftigen "Ich habe mich verloooooren" in "Hilf mir durch die Nacht" oder auch beim "Gott, warum?"-Schlusston. Allerdings wurde er beispielsweise bei "Jenseits der Nacht" von Lisa gegen sämtliche Wände des Theaters gesungen! Allgemein gefielen mir seine Sprechtexte besser, als die gesungenen. Nur sein gerolltes R irritierte mich dann doch etwas. Schauspielerisch fand ich ihn blass, so etwas wie Wut/Verzweiflung kam nur gegen Ende von "Kein Lächeln war je so kalt" auf. Ansonsten muss ich sagen, dass ich gar nicht mehr so viele Bilder im Kopf habe, weil ich irgendwie in fast allen Szenen automatisch die andere Figur beobachtet habe, die gerade mit ihm auf der Bühne war. Mir hat es bei Florian einfach an allem etwas gefehlt, Präsenz, Ausstrahlung, Kraft und Spiel. Er war nicht schlecht, aber etwa mit Uwe oder Thomas bei Weitem nicht zu vergleichen. Seine Texthänger gerade zu Beginn bei "Zauberhaft natürlich" waren zwar nicht schlimm, machten das Ganze aber auch nicht gerade besser...
Ganz toll drauf war dafür Maya! Was diese Frau allein schauspielerisch aus der Rolle rausholt ist ein Wahnsinn! Wie immer hatte sie mich bereits mit "Sie ergibt sich nicht" (wobei sie da den berühmten Susan-Fehler machte und "und läge im Grab" zweimal sang), die Titellieder waren absolut klasse gesungen und gespielt, aber der Höhepunkt war, wie eigentlich immer, "Mrs de Winter bin ich" mit Lisa. Ihre Blicke, ihr Versuch, irgendwie Haltung zu bewahren und dann der komplette Zusammenbruch mit diesem hysterisch gekreischten "Nein! NEIIIIIIIN!!!!" als die Ich den Amor das zweite Mal auf den Boden wirft. Sensationell!!
Das Gleiche gilt auch für André, der dieses Mal wieder ganz textsicher war und wunder-, wunderschön sang. Erst sein "Ehrlichkeit und Vertrauen" und dann eins der besten "Manderley in Flammen", die ich von ihm bisher gehört habe! Er war außerdem sehr witzig drauf, z.B. demonstrierte er die Zeile "Und der Dich auffängt, wenn Du fällst" anhand eines Telefonhörers, den er aufhob und dann fallen ließ. Nur leider nicht wie geplant auf die Gabel, sondern scheppernd vorbei. So musste Lisa lachen und auch er war nicht mehr so wirklich ernst. Und mit Christian Hettkamp (Oberst Julyan) hatte er bei der Szene auf Manderley in Akt 2 auch seinen Spaß. Dieser begrüßte ihn beim Eintreten bereits mit einem "Craawleeeeeyyyy!!!" und wiederholte das dann später noch einmal um einige Oktaven höher, sodass André sich vor seinem Anruf in London erst einmal sammeln musste und dann prompt mit der Nummer ins Schlingern kam...
Kerstin und Oliver Heim waren wie gewohnt tadellos, während Andreas Wolfram als Favell sich m.E. mit jeder Show steigert und mir viel besser gefällt, als zu Beginn. Und Carin?
Genial! Das war wieder die altbekannte van Hopper aus Wien, das Publikum dankte es ihr mit Szenenapplaus. Ich finde Isabel in der Rolle wirklich auch sehr gut, aber Carin lebt sie einfach. Sie improvisierte ganz stark den ja für St. Gallen und Stutgart geänderten Sprechtext in Monte Carlo, war aber dabei trotzem immer auf den Punkt genau lustig! Ich fand sie einfach nur klasse, auch stimmlich. Und sie zeigte sogar ein paar der alten Scherze, griff bei "Ich kann Nüsse mit den Händen knacken" z.B. zwischen die Beine der beiden um sie tanzenden Kellner. Ich freu mich sehr, sie demnächst wieder öfter zu sehen. Allerdings habe ich auch schon von zwei verschiedenen Leuten gehört, dass sie sie in Monte Carlo fast etwas zu böse und herablassend zur Ich fanden, was mir zumindest nicht aufgefallen ist...
Nach einem sehr euphorischen Schlussapplaus mit Standing Ovations noch bevor der erste Darsteller die Bühne betreten hatte, sehr vielen Vorhängen und Gewinke und Kusshänden für mich (hach) ging ein weiterer Rebecca-Abend zu Ende.
Für mich war dies die bisher schwächste Show, was aber Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Es war toll, nur eben nicht so perfekt, wie sonst. Allerdings hörte ich noch von einigen Darstellern, dass sie die Abwechslung genossen und besonders viel Spaß gehabt hatten.
Auf ein Neues in der zweiten Saison!