Nachdem ich das letzte Jahr so begeistert von der Päpstin war, war klar, dass auch für 2013 Karten gebucht werden mussten. Und als dann noch bekannt wurde, dass Sabrina auch dieses Jahr wieder als Johanna, bzw. Johannes auf der Bühne stehen würde, war die Vorfreude endgültig riesig!
Am 6.9.13 machte ich mich also gemeinsam mit meinen Eltern und meiner Freundin auf den Weg nach Hameln, und aufgrund der angenehm kurzen Fahrt saßen wir kurz darauf schon auf unseren Plätzen in der Mitte der ersten Reihe!
Die Ouvertüre allein reichte mir schon für die erste Gänsehaut, die sich allerdings noch steigerte, als Anke Fiedler in der Rolle der Mutter Gudrun dann "Boten der Nacht" anstimmmte. Sie kam mir zwar etwas verschnupft vor und sang vor allem den ersten Refrain noch leicht verhalten, das tat dem Umstand, dass ich das Lied einfach immer wieder total schön finde, aber keinen Abbruch. Ob es allerdings letztes Jahr auch schon gekürzt war oder das erst jetzt der Fall ist, weiß ich gar nicht...
Zu den Anfangsszenen ist zu sagen, dass ich die Kinderdarsteller recht gut fand. Die kleine Johanna spielte Sina-Marie Dieckhoff und bis auf ein paar etwas überzeichnete Betonungen hat sie mir wirklich gefallen. Noch besser, weil absolut natürlich spielend, war für mich ihr "Bruder" Johannes, an diesem Abend dargestellt von Tom Reimann.
Als Vater der beiden stand Bruno Grassini auf der Bühne und ich freute mich schon irgendwie, ihn nach Elisabeth 2008 mal wieder zu sehen. Wobei er für mich ein ziemlich junger und wenig unheimlicher Vater war. Er machte seine Sache gut, aber ich hatte nicht dieses unangenehme "Angst"-Gefühl im Magen, wie letztes Jahr, wenn ich der Figur zusah.
Insgesamt hat die Cast sich kaum verändert, im Ensemble erkannte ich viele bekannte Gesichter aus der letzten Spielzeit und auch in den tragenden Rollen hatte sich nichts geändert.
Als Gerold ist nach wie vor Mathias Edenborn zu sehen und er füllte die Figur wieder voll aus. Auch gesanglich war er top, bei "Parasit der Macht" und ganz besonders bei "Ein Traum ohne Anfang und Ende". Nur bei "Wehrlos" hatte er ein paar kaum hörbare Wackler drin, die ich allerdings mal der Situation zuschreibe. Sabrina und er waren nämlich in der Szene davor, als er für sie den auf dem Jahrmarkt gekauften Bauplan in die Tat umsetzt und sie mit verbundenen Augen zu seiner Konstruktion führt, schon am Lachen und man konnte von Mathias sogar ein "Das ist überhaupt nicht zum Lachen!" hören. Im Folgenden konnten die beiden sich kaum angucken, vor allem Mathias musste immer wieder losprusten und verbrachte schließlich den größten Teil seines Dialoges mit dem Rücken zu Sabrina. Und dieses Lachen kam eben auch nochmal bei "Wehrlos" durch. Auch danach, als Gerold Johanna sagt, dass er den Ort verlassen wird, grinste Mathias noch bis über beide Ohren. Schon irgendwie witzig das ganze...
Seit Beginn dabei ist wohl Dietmar Ziegler in der Doppelrolle Fulgentius / Rabanus. Ich finde ihn total sympathisch und sein ewiger Schlusston bei "Hinter hohen Klostermauern" ist absolut beeindruckend! Das ist dann gleich auch meine Umschreibung für Lutz Standops Töne als Anastasius, vor allem natürlich bei "Zum Ruhme der Familie" (gemeinsam mit dem ebenfalls sehr starken Andrea Pagani). Er singt fehlerfrei und kräftig, ich fand und finde ihn stimmlich absolut genial. Und auch schauspielerisch lässt er eigentlich keine Wünsche offen. Gerade seine Gesichtsausdrücke wenn er mal wieder einen Schlag gegen sich und seinen Wunsch, den Papstthron zu besteigen, hinnehmen muss, sind fast schon Comedy. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das gewollt ist... aber dieses verkniffene, bösartige und innerlich kochende Lächeln... ich fands herrlich!
Als Aeskulapius stand wieder Claus Dam auf der Bühne. Neben seiner angenehmen Singstimme zeichnet er sich vor allem durch seine erzälerischen Qualitäten und sein sympathisches Auftreten als einer der wenigen Unterstützer Johannas aus.
Der Star des Abends war und ist aber natürlich Sabrina Weckerlin! Die Frau ist einfach ein Wahnsinn! Ich liebe ihre Stimme schon, wenn sie einfach nur mal zwischendurch hereinsingt, wie etwa beim "Jahrmarkt in St. Denis". Aber wenn sie dann endlich richtig loslegt... "Wehrlos" ist ein unfassbar schöner Anfang für ihre samtweiche Stimme, aber so richtig los mit dem WOW-Effekt geht es dann bei "Wer bin ich, Gott?", steigert sich noch bei "Einsames Gewand" (wie genial hat sie das wieder gesungen!!) und findet den Höhepunkt in "Das bin ich".
Sabrina ist einfach eine Klasse für sich! Sie bringt die volle Bandbreite Johannas/Johannes' Charakters herüber, ist sowohl stellenweise lustig als auch so verzweifelt, dass man sie am liebsten trösten würde. Sie ist und bleibt die Idealbesetzung für diese Rolle!
Insgesamt war es also ein toller Musical-Abend mit starken Darstellern und sogar einer kleinen Panne. Beim Wiedersehen von Johanna und ihrem Vater im Kloster Fulda knallten auf einmal die Mikrofone der Darsteller und kurz darauf fuhr der Vorhang zu. Zur Überraschung von Bruno, der gerade den nächsten Satz beginnen wollte und dann nur mit einem "Oh..." kommentiert.
Die Szene wurde danach noch einmal von Beginn gespielt und tat dem ganzen keinerleich Abbruch!
Das Publikum war etwas verhalten, als dann beim Schlussapplaus aber Sabrina nach vorn kam, stand auch der Letzte im Saal. Verdientermaßen!
Hinterher schauten wir noch kurz bei der SD vorbei und bedankten uns für den schönen Abend und die klasse Vorstellung! Ich würde mir die Päpstin jederzeit wieder anschauen!