Was tut man am besten, wenn der Osten und Süden Deutschlands in den Fluten versinkt und davon ausgegangen werden kann, dass die Lage sich in den nächsten Tagen nicht verbessert, sondern das Wasser weiter steigt? Man begibt sich ins Katastrophengebiet, ist doch klar!
So ging es also am 2. Juni 2013 in Richtung Österreich und was sich vor den Zugfenstern an Hochwasser abspielte, war schon ziemlich heftig. Es ist definitiv noch einmal was anderes, ob man die Bilder im Fernsehen sieht oder ob man eben mitten durch Würzburg, Regensburg und vor allem Passau fährt...
Erstaunlicherweise kam der Zug nur mit minimaler Verspätung in Linz an, wo der Regen allerdings auch in Strömen herunter kam. Weiter schlimm war das nicht, da das Musical Honk!, der Grund des erneuten Besuchs, ja nicht Open Air, sondern in den Kammerspielen aufgeführt wird.
Ich war schon vor Beginn ganz entzückt von dem winzigen Saal und vom liebevoll gestalteten Bühnenbild. Und auch meine Skepsis des Stücks gegenüber , es ist immerhin als Kinder-Musical angekündigt, löste sich bald in Luft auf.
Honk! erzählt die Geschichte des hässlichen Entleins von Hans Christian Andersen, diesmal nur eben in Musical-Fassung. Das kleine Orchester spielte toll, nicht zu laut und nicht zu leise, und das Linzer Musical-Ensemble zeigte erneut seine hohe Qualität. So war beispielsweise Oliver Liebl in der Hauptrolle Grausi ideal besetzt. Er sang nicht nur sehr schön, sondern war auch echt witzig. Allein sein gebrülltes "HOOONK!!" (das ist der Ruf eines Schwans) war echt witzig. Und er spielte auch toll. Man musste allein durch seine Blicke einfach Mitleid mit ihm haben und entwickelte eine richtige Wut auf seine gemeinen Geschwister. Diese wurden dargestellt von einigen Kindern, welche ihre Aufgabe im Großen und Ganzen auch gut erfüllten. Einzig bei einigen dazwischen wirkten die Bewegungen etwas spannungs- und fast lustlos.
Als Entenmutter Ida stand Kristin Hölck auf der Bühne und auch sie konnte mich total überzeugen. Als sie völlig verzweifelt ihren verloren gegangenen Sohn suchte, musste ich wirklich die Tränen zurückhalten, weil mir das alles so Leid tat. Reinwald Kranner war in mehreren Rollen zu sehen, er gefiel mir sowohl als locker-verantwortungsloser Entenvater Erwin Erpel, als auch als Gänse-Kommandant Graufuß. Diese Szene war ohnehin eine der besten, die "Fliegerstaffel" war auf der einen Seite zuckersüß, auf der anderen zum Totlachen und dann auch noch von der Choreographie her richtig gut gemacht. Hier war auch Rotfuß zu sehen, eine von Lisas drei Rollen. Ich glaube, dass mir diese am besten gefiel, eben einfach weil alles so süß und lustig war. Ansonsten spielte Lisa noch die "Über-Henne" Henriette, sehr überzeugend von oben herab, und das Schwanen-Mädchen Kati. Leider war diese Rolle die einzige, wo auch mal ein paar Zeilen an Solo-Gesang von ihr zu hören waren. Ansonsten sang und spielte sie nur im Ensemble (aber man braucht ja auch Fische und Frösche!).
Highlight der Aufführung war für mich der Kater, dargestellt von Rob Pelzer. Er war einfach richtig witzig und erinnerte mich streckenweise an Serkans Wolf in Into the Woods. Er schmeichelte, war böse aber liebenswert. Und man erkennt als Kater-Mama natürlich automatisch ein paar bekannte Wesenszüge bei so einer Figur!
Aber auch die anderen Darsteller konnten überzeugen, sei es nun Ariana Schirasi-Fard in den Rollen Stummel, Grazia und Pünktchen, oder auch Daniela Dett, die ich als aufgescheuchtes Federvieh Moni fast so gern mochte, wie als rollige Katze Prinzesschen.
Auch nicht-Mitglieder des festen Ensembles waren in dem Stück zu sehen, so z.B. Wenzel Brücher als Truthahn, Ringel, Vater Schwan und vor allem mit einem ganzen (lustigen) Lied als Krötenfrosch, der dem armen Grausi klar macht, dass es gar nicht so schlimm ist, hässlich zu sein. Und Sabrina Rupp, die ebenfalls in drei Rollen auf der Bühne stand, machte ihre Sache besonders als Reporterin von "Vogel TV" sehr gut und sang auch mit einer richtig schönen Stimme.
Insgesamt gesehen war es ein toller Abend, ich kann jedem den Besuch bei Honk! nur empfehlen. In meinen Augen ist es kein wirkliches Kinder-Stück, die meisten Witze sind eigentlich nur auf die Erwachsenen ausgerichtet und bis auf die Geschichte an sich und vielleicht auch durch die beteiligten Kinder hat es für mich kein wirkliches Element, das es von einem "normalen" Musical unterscheidet. Es ist nicht irgendwie besonders albern oder flach, sondern einfach sehr gut gemacht! Wenn auch ich den Schluss etwas zu abrupt fand (ich spoiler aber mal lieber nicht) und die Aussage am Ende nicht so ganz klar wird. Denn klar, diese soll eigentlich sein, dass es egal ist, wie man aussieht und dass jeder wertvoll ist. Allerdings mögen die meisten Figuren Grausi ja erst am Ende, als er dann ein schöner Schwan ist... Und das sagt für mich irgendwie das genaue Gegenteil aus, nämlich dass Schönheit sehr wohl wichtig ist!
Wie in Stadttheatern ja meist üblich, fand im Anschluss noch eine öffentliche Premierenfeier statt, auf der ich dann aber recht schnell die über den Tag angesammelte Müdigkeit zu spüren bekam und nur etwas über Stunde dort blieb.
Schade finde ich, dass ich Honk! wohl nicht noch einmal sehen werde, da in Linz ja ständig neue Stücke nachrücken. Anders als die Hexen von Eastwick würde ich hier nämlich ohne Weiteres noch einmal reingehen!