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Ich kann mich noch gut an Oktober 2011 erinnern... als endlich mein lang gehegter Traum wahr wurde und Lisa in St. Gallen die Ich in Rebecca übernahm.
Die Zeit seitdem ist einfach nur verrast und nun stand am 9. Mai auf einmal schon die Derniere an. Die letzte Show von Rebecca, diesmal wohl wirklich die aller, aller allerletzte. Mit gemischten Gefühlen flog ich in die Schweiz...

Das Theater war ein weiteres Mal ausverkauft und nicht nur das, zum ersten Mal in der Geschichte wurden sogar wegen der riesigen Nachfrage zusätzlich noch Stehplätze angeboten!
So war der Saal am Abend zum Bersten gefüllt und da, wie vorher auch schon in Foyer-Gesprächen zu hören war, etliche Fans im Publikum saßen, war die Stimmung von Beginn an irgendwie besonders.
Ich schaute etwas wehmütig auf das große geschwungene R und als Lisa dann schließlich zum letzten Mal "Ich hab geträumt von Manderley" sang, kroch mir eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Und das nicht nur, weil sie es noch einmal besonders schön sang, sondern auch, weil ich irgendwie ständig "Das ist das letzte Mal... genieß es..." im Kopf hatte.
In Monte Carlo wurde es gewohnt lustig, obwohl Mrs van Hopper Carin diesmal noch etwas rabiater als sonst mit dem Hotelpersonal umsprang und den armen Pagen im Aufzug sogar ungehalten aus diesem hinaus schubste. Es gab keine auffälligen Veränderungen, von dem Croissant auf dem Teller der Ich und dem wohl Moses-bedingten Bart in Maxims Gesicht einmal abgesehen. Dies änderte sich auch im ganzen restlichen Stück nicht, abgesehen von Maya! Sie sprach erstmal in einem total lustigen Rhythmus und betonte gegenüber der Ich: "Mr Jack Favell - Mrs de Winters LIEBLINGS-Cousin!". Und im zweiten Akt, gleich zu Beginn, sah der Dialog zwischen Danvers und Ich wie folgt aus: "Guten Morgen Madam!" "Sie?" "Sie sind früh auf Madam - haben Sie schlecht geschlafen?" "Ich habe kein Auge zugemacht!" "Es ist die letzte Vorstellung, das drückt aufs Gemüt!"
Natürlich wurde in Folge begeistert und ausgiebig gejubelt.
Ansonsten gab es wie gesagt keine auffälligen Veränderungen. Bei "Strandgut" kamen mir zwar einige der Requisiten nicht so ganz bekannt vor, allerdings hab ich das Stück auch nicht oft genug in St. Gallen gesehen, um wirklich jede Vase etc. zu kennen. Ich bin also nicht sicher, ob hier etwas verändert wurde. Und Bees "Ich sag es zum letzten Mal, sie kommt aus Yorkshire, Giles!" war auch eher eine Randbemerkung.
Fakt war in jedem Fall, dass das komplette Ensemble noch einmal alles gab und alles aus sich heraus holte. Besonders Lisa, Kerstin und André sangen traumhaft schön, letzterer sogar SO schön, dass Lisa bei "Ehrlichkeit und Vertrauen" neben ihm die Tränen übers Gesicht liefen. Carin war extrem lustig und Thomas schmetterte vor allem die Schlusstöne mit einer unglaublichen Kraft heraus. Auch das Zusammenspiel zwischen ihm und Lisa war wieder einfach nur süß. Die beiden sind so liebevoll miteinander umgegangen, eine ganz tolle Maxim/Ich-Zusammensetzung! Auf der Hochzeitsreise ging Thomas schon melodramatisch vor ihr auf die Knie und seine Antwort auf "Und was kriegt die Siegerin?" nach dem Schach-Sieg der Ich war ein ganz verführerisches Heben und Senken der Augenbrauen. Einzig sein stellenweiser Sprechgesang war mir manchmal etwas zu viel, ich höre ihn lieber richtig singen.
Auch Maya war noch einmal super drauf und holte alles aus der Danvers-Rolle heraus. Wie schon die letzten Male gefiel mir auch Andreas Wolfram recht gut, Oliver Heim ist für mich eh ein toller, passender Ben gewesen.
Ganz klasse an St. Gallen hat mir auch immer das Publikum gefallen. Und auch diesmal wurde ich in der Ansicht bestätigt. Nach den einzelnen Liedern gab es jeweils lauten Applaus und beim Schlussapplaus stand schon das gesamte Theater, bevor die ersten Ensemble-Mitglieder auf die Bühne kamen. Trotz der Begeisterung wurde aber z.B. jeder Darsteller aussingen gelassen und erst dann wurde gejubelt. Scherze auf der Bühne wurden dankbar lachend aufgenommen, aber nicht übertrieben und auch nach Mayas "großer Änderung" konnte die Show nach einem Spontan-Applaus schnell weiter gehen. Geredet oder sonstwie gestört wird dort wohl ohnehin nicht, jedenfalls habe ich es noch nie bewusst erlebt.

Viel zu schnell war die Show schließlich vorbei und nach einem begeisterten, aber nicht unbedingt längeren Schlussapplaus, waren Rebeccas Tage auch in St. Gallen gezählt.
Anschließend ging es für viele noch zur Stage Door und dort war es auch wirklich nett und entspannt. Die Darsteller kamen fast alle heraus und nahmen sich ewig Zeit für Fotos, Autogramme und vor allem Gespräche.  Auch ich plauderte noch mit den "üblichen Verdächtigen", von denen ich zumindest einige (André, Maya) in absehbarer Zeit wohl erstmal nicht mehr sehen werde.



Zu Beginn der ersten Spielzeit hatte ich noch scherzhaft gesagt, ich könne ja jetzt meine 30 Vorstellungen voll machen. Damit gerechnet, dies wirklich zu "schaffen", hatte ich aber eigentlich nicht.
Nunja, jetzt war die Derniere aber wirklich meine Rebecca-Show Nummer 30 und ich denke, ich werde noch einmal etwas Revue passieren lassen:

Inszenierung: Klar war Wien viel größer als St. Gallen. Auch das Raimund Theater ist natürlich um einiges schöner, als der Beton-Klotz von Stadttheater. Es hatte eine ganz eigene Stimmung angefangen beim Möwen-Gekreische und Wellenrauschen zu Beginn, das ja in der Schweiz völlig fehlte, bis zu den technischen Geschichten wie etwa der brennenden, sich drehender Treppe oder Rebeccas Zimmer samt Balkon. Auch die Choreografien und Texte waren zum Teil anders und gefielen mir in Wien zum Großteil besser. "Wir sind britisch" wurde ja komplett ersetzt durch "Merkwürdig", was für mich einfach kein guter Tausch war. Andererseits gab es nun "Zauberhaft natürlich" zusätzlich, was wiederum zu einem meiner Lieblingslieder wurde (es war auch einfach zu passend auf St. Gallens Ich...).

Die Cast

Ich: Ich habe in keiner anderen Rolle so viele verschiedene Darsteller/innen gesehen und ich habe auch noch in keiner Rolle jemanden erlebt, der so extrem perfekt hineingepasst hätte, wie Lisa in diese. Sie war für mich in jeder Hinsicht die ultimative Ich, obwohl ich Wien mit z.B. Joana, Silke und natürlich Wietske auch super besetzt fand. Aber Lisa hatte diese Rolle einfach mit jeder Geste, jedem Blick und stimmlich war es das schönste, was ich mir von dieser Figur nur vorstellen kann. Sie hat einfach in jeder Hinsicht so echt gewirkt, einfach so, als WÄRE sie die Ich. Ich hab irgendwann mal gesagt, dass es mir bei Lisa vorkommt, als würde sie die Ich nicht spielen, sondern durch ein Fenster in ihrem Leben beobachtet werden. Das kann ich nur nochmal unterstreichen. Besser als Lisa geht für mich nicht und das allein ist schon ein Grund, sich das Stück in keiner anderen, eventuell irgendwann mal kommenden Besetzung anzugucken. Sie hat nicht nur in einer Nacht die Welt für mich verzaubert!

Maxim: Für mich war eigentlich immer klar, dass Uwe mein Maxim ist, aber Herr Borchert hat diese Ansicht zumindest ins Schwanken gebracht. Stimmlich liegt er für mich ganz klar vor Uwe, denn er kann die Rolle einfach super-sicher und auch sehr schön singen. Schauspielerisch war er für mich eine echte Überraschung, da ich nicht dachte, dass er so überzeugend sein könnte. Aber er war es, er war verzeifelt, er war lustig, er war liebevoll. Gerade das Zusammenspiel mit Lisa war einfach toll, sei es in der "Bist du glücklich?"-Szene oder auch später, als dann sie auf einmal für ihn sorgt. Florian Fetterle, den ich ja auch einmal gesehen habe, hat mich hingegen gar nicht überzeugen können. Einzig seinen Gesang fand ich ganz gut, alles andere war für mich eben nicht Maxim. Insgesamt ist glaube ich immer noch Uwe mein Favorit, aber wirklich mit kaum einem Unterschied zu Thomas.

Mrs Danvers: Hier hat ganz klar Maya Susan auf meiner Favoritenliste verdrängt. Denn klar, letztere hat eine unglaublich tolle Stimme, ihr Schauspiel war aber nunmal eiskalt. Da hat mir Mayas verzweifelter Wahnsinn einfach besser gefallen, weil ich die Rollenauslegung glaubhafter fand. Auch Kerstin geht ja eher in diese Richtung und auch sie fand ich klasse als Danvers. Auch hier muss ich noch einmal das tolle Zusammenspiel in St. Gallen bemerken. Während das Titellied im zweiten Akt zuerst noch etwas seltsam wirkte, vor allem, als die Danvers die Ich an der Hand zum Balkon führte, war ich mir noch nicht so sicher, wie ich das alles finden soll. Aber diese Geschichte wurde ja bald abgeschafft und was die beiden zuletzt gezeigt haben, war einfach der Wahnsinn. Ich fand es unglaublich intensiv, wie die Ich erstmal nur frustriert ist und in Tränen ausbricht, dann aber richtig Panik bekommt, als die Danvers ihr immer näher kommt, auch, als sie selbst schon am Zurückweichen ist. Der einzige Ausweg ist für sie der Balkon und in letzter Konsequenz der Sprung, so klar und deutlich wie in den letzten St. Gallener Shows wurde das bisher nirgends!

Frank Crawley: André! The One and Only! Niemand kommt auch nur im Entferntesten an seine wunderschöne Stimme heran, an sein liebes Wesen, gerade der Ich gegenüber und niemand ist so ein witziger Maskenball-Pirat gewesen, wie er! Ich habe in Wien ja auch Robert D. Marx in der Rolle gesehen, der mir ganz gut gefallen hat, und auch Fernand Delosch, den ich offen gestanden furchtbar fand. Aber das waren für mich eben irgendwie klare Zweitbesetzungen der Rolle, weil es einfach Andrés ist!

Beatrice: Hier ist es im Grunde auch klar, Kerstin ist nicht umsonst die einzige Darstellerin, die Rebecca (und Bee) in allen drei deutschsprachigen Produktionen gespielt hat (760x, wie sie stolz erzählte). Sie ist witzig, sie ist ernst, sie ist toll! Allerdings muss ich bei dieser Rolle sagen, dass ich damals auch Kathleen Bauer sehr gern gesehen habe! Auch sie hat die Rolle toll gesungen und interpretiert. An meine erste Bee, Michaela Christl, erinnere ich mich heute leider kaum noch, ich weiß nur, dass ich sie damals auch gut fand...

Favell: Hier ist und bleibt Carsten Lepper mein Favorit! Er war ein total schmieriger, dabei aber lustiger Favell und er hat den Song im Musical, der mir wohl am wenigsten gefällt ("Eine Hand wäscht die andre Hand"), immer noch irgendwie sehens- und hörenswert gemacht. Auch Kai Peterson fand ich in Wien klasse. Alle Nachfolger kommen im Grunde gleichauf dahinter, wobei mir Tim Reichwein glaube ich von allen am wenigsten gefallen hat. Andreas Wolfram in St. Gallen mochte ich zu Beginn gar nicht, ich finde aber, dass er sich sehr gesteigert hat. Für mich ist er gleichauf mit Ramin Dustdar.

Mrs van Hopper: Leichte Entscheidung, es kann nur Carin geben! Auch wenn ich Isabel wirklich gern gesehen hab und auch lustig fand, habe ich mich tierisch gefreut, als Carin in der zweiten Spielzeit dann dazu kam. Die Frau hat nicht nur eine umwerfende Stimme, sie ist einfach auch Comedy pur! Ihre Blicke, ihre ganzen kleinen Gesten... besser gehts für mich nicht!

Ben: In dieser Rolle habe ich eigentlich keinen Favoriten. Ich habe glaube ich alle Wiener Bens gesehen und fand auch alle gut. Genau wie auch Oliver Heim. Norberto Bertassi war der erste und ist wohl auch derjenige, den ich am häufigsten gesehen hab, also würde ich als Liebling in der Rolle wohl ihn nennen.

Das Ensemble fand ich insgesamt in Wien stärker, in St. Gallen hab ich mich bei der ein oder anderen Stimme doch gefragt, was derjenige nun auf der Bühne macht. Ich nenne mal keine Namen, sondern lasse es einfach so stehen.
Das Orchester war sowohl in St. Gallen als auch in Wien toll, wobei ich mich in St. Gallen manchmal sehr über Herumgealbere im Graben geärgert habe. Das ist unprofessionell und gehört sich einfach nicht!

Insgesamt ist Rebecca nach wie vor eines meiner absoluten Lieblingsmusicals und ich werde wohl kein anderes jemals so extrem oft sehen, wie dieses. Ob ich es überhaupt noch einmal sehe, steht in den Sternen. Wie gesagt, ich möchte eigentlich keine andere Ich mehr sehen, als Lisa. Und auch keinen anderen Frank. Höchstens die englische Fassung würde mich noch einmal reizen, wenn sie es denn wider Erwarten doch mal ans West End oder den Broadway schafft. Also mal abwarten. Vorerst heißt es jedenfalls: Jetzt seh ich Manderley nur noch im Traum...

Aber St. Gallen seh ich hoffentlich bald wieder, die Stadt ist mir sehr ans Herz gewachsen und ist voller schöner Erinnerungen!

 

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