Neue Stadt, neues Glück - oder in diesem Fall - Neues Theater, neues Glück!
Am 24.4.13 machten wir uns quasi unter diesem Motto also zum ersten Mal auf nach Linz, wo neben dem Musiktheater auch ein festangestelltes Ensemble neu "erbaut" wurde.
Zwei Veranstaltungen hatten wir auf unserer Reise geplant, zum einen stand das Musical Die Hexen von Eastwick auf dem Plan, und gleich am ersten Abend die Revue Seven in Heaven, in der sich eben jenes Ensemble seinem Publikum präsentierte.
Aufgrund der freien Platzwahl waren wir überpünktlich im Theater und dann auch in der wesentlich kleineren Black Box im "Keller", wo dieses intime Konzert stattfinden sollte. Vor der kleinen Bühne waren ca. 10 runde Tische aufgebaut, drumherum befanden sich jeweils vier Stühle. Da wir wie gesagt zu den ersten Gästen gehörten, konnten wir uns unseren Platz noch frei wählen. Wir schwankten nun also zwischen "Köpfe im Blick" und "unangenehme Extremstnähe zu den Sängern". Wir entschieden uns für letzteres, allerdings nicht direkt mittig, sondern zur Seite hin. Nicht weit weg von uns standen dann auch die Musiker.
Begonnen wurde der Abend mit "Live in living Color" aus dem Musical Catch me if you can. Es kamen gleich alle sieben Darsteller zur Eröffnung auf die Bühne, namentlich Daniela Dett, Kristin Hölck, Oliver Liebl, Rob Pelzer, Ariana Schirasi-Fard, Reinwald Kranner und natürlich Lisa Antoni.
Mal allein, mal zusammen wurden nun Songs wie etwa "I get a Kick out of you", "You're the top", "Maybe this Time", "Teach me how to shimmy" oder "Let's do it, let's fall in Love" präsentiert. Dazu gab es meistens noch kleine Einleitungssätze von jeweils einem der Darsteller.
Lisas erstes Solo war "Arthur jeden Nachmittag" aus The Act. Bzw. sang sie allein, spielte aber im Grunde eine kleine eigene Szene gemeinsam mit Oliver Liebl. Und das... nun, sagen wir anders, als man es sonst von ihr kennt. Vielleicht ist ja jemandem der Song bekannt, die Umsetzung hier war... passend!
Was ich persönlich toll fand, waren die Queen-Stücke "Bohemian Rhapsody" und "Somebody to love". Ersteres sang wieder das gesamte Ensemble, und ja, es war wirklich richtig klasse!
Allgemein lag der Fokus sehr stark auf alten Broadway- und eher unbekannten Stücken, so wurde z.B. "Juggernaut" aus Wild Party präsentiert, ebenso wie "I'm a Woman" aus Smokey Joe's Cafe oder auch "Kinder verstehen" aus Into the Woods. Darauf hatte ich mich besonders gefreut, weil Lisa es singen sollte und ich mich auf einen kleinen Kassel-Flashback freute. Daraus wurde dann leider nichts, da sie das Lied an Ariana hatte abgeben müssen. Sehr schade, obwohl diese es auch wirklich schön sang!
Mein persönliches Highlight im ersten Teil war aber mit Abstand "O mio babbino caro" von keinem geringeren als Puccini. Ja, Oper. Und wer könnte es anders singen, als Lisa...? Und das tat sie dann eben auch, und wie toll! Klar hab ich sie ja gerade erst als Christine gesehen, weiß also nur zu gut, wie hoch sie singen kann. Trotzdem überraschte und begeisterte sie mich hiermit gleichermaßen. Echt toll!! Und da zusätzlich zu dem italienischen Text noch ein deutscher, sehr lustiger, gesungen wurde, war das Lied dann sogar auch für einen Lacher gut!
Der zweite Teil wurde eröffnet mit "On Broadway", bevor Reinwald dann "Music of the Night" sang. Während ich da im Programm vorher noch gähnend drauf gezeigt hatte, war ich nun ehrlich begeistert von seiner Darbietung. Er sang es nämlich wirklich super!
Richtig witzig war etwas später dann eine Pfannkuchen-Einlage von Ariana auf offener Bühne. Denn zum Lied "Ich kann auch kochen" aus On the Town tat sie genau das: Sie machte einen "Palatschinken", den sie hinterher sogar jemandem im Publikum zum Abendbrot überließ.
Der zweite Teil war allgemein sehr lustig, auch abgesehen von zur Schau gestellten Kochkünsten. So wurde z.B. zu "I got Rhythm" aus Girl Crazy das ganze Publikum einbezogen, es wurde geniest, Auto gefahren, gegackert, gegurgelt... und auch Lieder wie "Die Saga von Jenny", gesungen von Daniela oder "Miss Otis bedauert" waren echte Lacher.
Ernst wurde es aber zwischendurch auch, z.B. wenn Kristin "Ich hab geträumt vor langer Zeit" sang (wobei Les Mis für mich eher englisch sein sollte) oder ganz besonders toll bei Lisas "Somewhere" aus West Side Story. Sowas schönes... Wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist es ja eigentlich ein Duett, sie sang es aber allein und ohnehin etwas abgeändert. Wahrscheinlich kommt jetzt zwangsläufig der "War ja klar"-Gedanke auf, aber ich sag es trotzdem: Das war auf jeden Fall mein Lieblings-Auftritt und -Song des Abends!
Dieser neigte sich danach schon dem Ende zu, denn nach "You can't stop the Beat" und dann "Always look on the bright Side of Life" war schon Schluss.
Nun, wie ich diesen Abend fand, ist irgendwie schwer zu sagen. Auf der einen Seite hatte man nämlich ein wirklich sehr gutes Ensemble. Am besten gefallen haben mir neben Lisa vor allem Ariana und Reinwald, auf sie war ich also auch bei den Hexen am übernächsten Tag besonders gespannt.
Schön war auch, mal ganz andere Facetten aufblitzen zu sehen. Eben wie bereits angesprochen bei Lisa und "Arthur". Und dass sie so super tanzt, konnte sie bisher auch noch nie zeigen!
Auf der anderen Seite steht aber nunmal die Liedauswahl. Wie bereits angesprochen gab es sehr viel Unbekanntes, jazzig, swingig - und damit nicht so wirklich meins. Ich hätte mich über den ein oder anderen Titel aus, ich nenn es mal "heute bekannten" Musicals schon irgendwie gefreut.
Trotzdem war es ein sehr netter erster Abend!
Mit den Hexen von Eastwick ging es dann am 26.4. weiter. Gleich zu Beginn erlebten wir eine unliebsame Überraschung in Form einer Sitzreihe, die man einfach mal spontan und wegen der großen Nachfrage vor die eigentliche Reihe 1 gebaut hatte. In meinen Augen eine absolute Frechheit, da man damit ja die Leute "bestraft", die die allerersten im Vorverkauf waren. Wenn man eine neue Reihe installiert, dann doch bitte so, dass man sie ganz hinten verkauft, und wenn man dann neu durchnummerieren muss, ist das eben so! Nebeneffekt für uns waren nicht nur Köpfe im Bild (die neue Reihe war natürlich als einzige im Theater nicht in der Höhe versetzt), sondern auch keine funktionierenden Monitore vor uns. Somit begann der Abend schon einmal wenig erfreulich.
So groß herausreißen konnte das Stück es dann ehrlich gesagt auch nicht. Die Darsteller, ob nun Lisa, Daniela und Kristin als die drei Hexen Sukie, Jane und Alexandra, oder auch Reinwald als Darryl van Horne sowie die eher in Nebenrollen agierenden Oliver, Rob und Ariana waren zwar alle, wie eigentlich das ganze restliche Ensemble, sehr gut und auch die Musik war ok - trotzdem sprang der Funke auf mich den ganzen Abend nicht über. Ohrwurm-Charakter hatte eigentlich keines der Lieder, wenn ich heute etwas ansummen sollte, würde mir nur noch "Er sei mein" (ich weiß nicht, ob das der richtige Titel ist) einfallen. Und das wohl auch nur, weil diese Nummer bereits mehrfach in den Probenausschnitten zu sehen war.
Zur Geschichte... naja, ich weiß nicht, ob sie an sich vielleicht Potenzial hat und nur in der Musical-Form nicht sonderlich gut umgesetzt wurde, oder ob sie mir als ganzes nicht gefällt. Was mir auf jeden Fall nicht gefiel, waren die fast ständig vorkommenden "Versautheiten", Gossensprache, Obszönitäten. Sowas spricht mich einfach nicht an, auf einer Bühne schon gar nicht. Ich brauche sicher keinen Sex auf offener Bühne und auch keine rollschuhfahrenden Kellner in pinken Seidenhosen, um mich zu amüsieren. Auch habe ich nicht eine Sekunde gesehen, was genau an Darryl nun reizvoll sein könnte, dass sich sofort alle Frauen von ihm angezogen fühlen. Ich fand den ganzen Kerl einfach nur abstoßend.
Ich möchte nicht sagen, dass dies zu den schlechtesten Stücken gehört, die ich je gesehen hab, da gab es einige, die ich wesentlich schlechter fand. Aber mehr als Mittelmaß war es für mich trotz des (wie ich einfach nochmal erwähnen muss) toll singenden und spielenden Ensembles nicht. Und ich bin nicht unbedingt traurig, dass ich dieses Stück vermutlich nur dieses eine Mal gesehen haben werde. Die Flugeinlage der Hexen war toll gemacht, die Lieder waren zum Teil wirklich schön, aber... ja, mehr eben nicht.
Trotzdem war es insgesamt eine wunderschöne Reise. Linz ist nämlich eine sehr nette Stadt, in der es auch viel zu sehen und tolle Freizeitgestaltungs-Möglichkeiten gibt! Und das Wetter war dafür genau richtig! Ich freue mich jedenfalls auf alle kommenden Reisen, und das werden ja noch einige sein...